Iaido News

Auf dem Weg zum Iaido-Lehrer: Die eigene Gruppe

Daß das 21. Jahrhundert Mobilität verlangt, ist eine Binsenweisheit. Aber sie kann manchmal nicht nur den beruflichen, sondern eben auch den Iai-Weg verändern. Konkret bedeutet das eine neue Stadt, einen neuen Arbeitsplatz und ein neues Dojo. Und wenn keins da ist, geht die Suche nach einem geeigneten Ort los und man beginnt ganz von vorne, unabhängig von der eigenen Graduierung. Wer ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, ist hier im Vorteil, denn er kann sich quasi gleich bei den einschlägigen Kampfsport-Gruppen als Lehrer vorstellen. Doch da Iaido bekanntermaßen keine olympische Disziplin ist, wird die Lage dadurch nicht notwendigerweise einfacher. In diesem Artikel will ich meine eigenen Erfahrungen der letzten Monate auf diesem Gebiet niederschreiben und hoffe, damit all jenen etwas Mut zuzusprechen, die ebenfalls inzwischen fern des Heimatdojos und ihres Lehrers ihren Weg gehen.Ich selbst hatte Glück und fand rasch einen Verein, der sich auf Kampfsport spezialisiert hat und ein eigenes Dojo unterhält. Dort wird zwar auf Matten trainiert, doch die Infrastruktur ist weitaus besser als in einer herkömmlichen Turnhalle. Außerdem trainiert man unter Gleichgesinnten, ein grundsätzliches Interesse an fernöstlicher Kultur wird da quasi gratis mitgeliefert. Dennoch war ich mehrere Wochen lang alleine. So konnte ich zwar für mich selbst trainieren und an meiner eigenen Technik arbeiten. Aber es fehlte doch etwas. Immer wieder kamen Neugierige, schauten zu, versprachen, in der nächsten Woche wiederzukommen und wurden nie wieder gesehen. Aus anderen Iaido-Gruppen kannte ich das bereits und blieb geduldig. Inzwischen sind die ersten regelmäßigen Übenden dabei und es stellen sich ganz handfeste Fragen, wie man sie motivieren und ihnen eine gute Basis für ihren weiteren Werdegang ermöglichen kann.

Als Übungsleiter bin ich um ein ausgewogenes Programm bemüht. Ich halte nicht viel davon, Schüler wochenlang mit Suburi zu quälen, ich lasse sie recht rasch auf die Katas los. In den meisten Fällen bringen Interessierte ihre eigenen Vorstellungen von Samurai-Geist und Schwertkampf mit ins Dojo, die Rolle von Film und Fernsehen ist nicht zu unterschätzen. Da ist dann Vorsicht geboten, denn oftmals taugt dieses Wissen für´s Iai nicht, aber man will die Schüler ja nicht desillusionieren. Oft helfen Partnerübungen mit Bokken weiter, so ergründen die Übenden die Natur eines Kampfes selbst. Besonders Ukenagashi bietet hier viele Anknüpfungspunkte und eigene Erfahrung ist immer besser als vorgekautes Wissen Fremder. Sobald es möglich ist, sollten die frischgebackenen Iaidoka auch nach eigenem Tempo üben können. Wenn im Dojo oder in der Halle ein Spiegel hängt, ist dies eine weitere gute Methode, sie zur Selbstkorrektur einzuladen. Da beim Eigentraining meist auch weniger geredet wird, trägt das zudem zur Atmosphäre bei. Generell sollte man seinen Schülern etwas zutrauen. Wenn sie das erste Mal im Iaihiza sitzen müssen, merken sie meist von selbst, daß manche Techniken langsam erlernt werden müssen und manche Bewegungen einfach ungewohnt sind.

Grundsätzlich sollte von Anfang an auf eine stabile Basis geachtet werden. Suburi-Übungen zu Beginn des Trainings helfen, einen korrekten Schnitt zu entwickeln. Besonders ist hier auf Te-no-uchi zu achten. Weiterhin ist eine korrekte Fußarbeit wichtig. Gerade Übende aus anderen Budo-Disziplinen haben es oftmals schwer, die ungewohnte Fußstellung beim Iai umzusetzen. Diese Grundlagen sollten möglichst früh gelegt werden. Bald werden die Schüler nach Kleindung oder dem eigenen Iaito fragen. Spätestens wenn deren Erwerb ansteht, wird sich die Mühe der ersten Monate dann auszahlen. Mit etwas Glück entsteht auf diese Weise eine stabile Iaido-Gruppe, von der man in Zukunft noch etwas hören wird.

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