Iaido News

Blick über den Horizont: Iaido Lehrgang mit Ishihara Sensei

Daß Iaidoka ihrer Schule treu bleiben, ist kein Geheimnis in der Community. Rivalitäten verschiedener Verbände in Japan werden oftmals auch in Deutschland ausgetragen. Als Ergebnis wagen nur wenige Iaidoka einen Blick über den Tellerrand und schauen sich an, was „die anderen“ so machen. Am Samstag, den 13. Januar 2007 hatten einige Redakteure der Iaido-News die Gelegenheit, genau das zu tun.Vorab sollte man erwähnen, daß es recht selten vorkommt, daß Iaidoka der Jikiden Eishin Ryu ihre Kollegen von der Muso Shinden Ryu einladen oder umgekehrt. Gerald Eisenack aus Berlin hat es trotzdem getan und so machten sich einige Kämpfer aus der Übungsgruppe Iaido-Nord an besagtem Samstag auf, um in einem Aikido-Dojo in Hamburg-Altona einen neuen Stil und einen neuen Lehrer kennenzulernen. Denn Anlaß war der Wunsch des neuen japanischen Generalkonsuls, Tadakatsu Ishihara Sensei, in Hamburg eine eigene Iaido-Gruppe aufzubauen und zu diesem Zweck einen Einführungslehrgang anzubieten. Besonders ungewöhnlich und lobenswert war es, daß das zweistündige Training für die Interessierten kostenlos angeboten wurde. Das erlebt man selten bei hochrangigen Danträgern, zumal in Deutschland. Auf Nachfrage der Redaktion erklärte Gerald uns, daß man mit dieser Herangehensweise Budo wieder etwas „back to the roots“ vermitteln möchte. Iaido-Lehre ohne horrende Gebühren und ohne eine kostspielige Verbandsnomenklatur also? Ein feiner Zug! Vielleicht lag es auch daran, daß das Dojo in Altona am 13. Januar zum Bersten gefüllt war. Obwohl die Räumlichkeiten durchaus großzügig bemessen sind, sorgten etwa 50 Interessierte durchaus für beengte Verhältnisse. Die Iaito-Träger und alten Hasen wurden daher kurzerhand von den Matten verbannt und übten auf der Holzfläche neben dem eigentlichen Übungsfeld.

Obwohl der Lehrgang hauptsächlich für Anfänger gestaltet worden war, konnten auch die Profis einiges lernen und gleich alte Vorurteile verwerfen: In der Jikiden Eishin Ryu wird keineswegs mit jener ulkig anmutenden Schnapp-Bewegung geschnitten, die von manchen Übungsleitern gelegentlich als abschreckendes Beispiel für schlechten Stil imitiert wird. Wie in der Muso Shinden Ryu auch geht diese Schule von einem präzisen Treffer des Schwertes auf der anvisierten Körperzone aus. Geschnitten wird erst da, wo es nötig ist. Der starke Einsatz des kleinen Fingers beim großen Chiburi dürfte fortgeschrittenen Iaidoka ebenfalls bekannt vorgekommen sein, ebenso das Furi-Kaburi auf einer genau vorgeschriebenen und harmonischen Bahn. Sowohl Gerald Eisenack, als auch Ishihara Sensei zeigten die wichtigsten Elemente ihrer Schule, ohne ihre Techniken als „einzig wahren Weg“ anzupreisen. Auch dies in Budokreisen leider keine Selbstverständlichkeit. So gingen die zwei Stunden rasch vorbei und die Iaidoka aus Hamburg-Barmbek gingen mit vielen neuen Eindrücken nach Hause. Auch wenn wir weiterhin unserem Stil treu bleiben wollen, war dieser gemeinsame Nachmittag doch eine echte Bereicherung und klang mit vielen interessanten Gesprächen aus. Wir hoffen, daß dieses Beispiel Schule macht und wünschen Ishihara Sensei viel Erfolg bei seiner Lehrtätigkeit hier in Hamburg.

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