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Das Schwertmuseum in Tokyo

Der Stadtteil Shinjuku im Westen Tokyos steht eigentlich stark im Zeichen der modernen japanischen Kultur. Viele der typischen Wolkenkratzer stehen dort, unter ihnen das 48-Stockwerke hohe Stadtverwaltungsgebäude. Die U-Bahn Station Shinjuku gilt als die belebteste der Welt mit annähernd 2 Millionen Menschen, die dort jeden Tag durchgeschleust werden und mit Unmengen von Läden, Gängen und Ausgängen (bei denen man am besten irgendwo herausgeht und sich dann oberirdisch orientiert).

Wenn man von dort aus jedoch ein wenig weiter in die Wohnviertel hineingeht und sich von Schnellstraßen und Hochhäusern entfernt, findet man – verborgen hinter modernster Fassade – das Japanische Schwertermuseum. Im Erdgeschoß des Gebäudes wird erläutert, wie Schwerter hergestellt werden (bedauerlicherweise war dieser Teil der Ausstellung bei unserem Besuch geschlossen), im zweiten Stock befinden sich die Ausstellungsstücke.

An die 50 Klingen aus dem 12. bis 20. Jahrhundert werden hier präsentiert - das Museum besitzt natürlich noch erheblich mehr, darunter 30 Exemplare, die als „national treasures“ eingestuft wurden. Katanas, Wakizashis, Tachis (deutlich länger als Katanas, meist stärker gekrümmt, mit der Schneide nach unten getragen und auch entsprechend präsentiert) oder auch Tantos (Kurzschwerter) finden sich in den schlicht aufgebauten Schaukästen. Einen weiteren Teil der Ausstellung bilden Tsubas, Menukis (Verzierungen im Bereich des Griffs) und Kashiras (Verzierungen am Griffende). Interessant ist, daß zwar im Wesentlichen Repräsentationswaffen oder besonders edle Stücke gezeigt werden, die nicht verwendet wurden. Es finden sich aber vereinzelt auch Ausstellungsstücke, denen man ihre Nutzung deutlich ansieht, insbesondere bei den Tsubas.

Leider ist das Museum nicht übermäßig auf nicht-japanische Besucher eingestellt. Die Beschriftungen sind durchgehend nur auf Japanisch – gemeinerweise auch die Jahreszahlen, die in japanischen Schriftzeichen und darüber hinaus noch nach kaiserlichen Regierungsperioden angegeben sind. So bedarf es einiger Übersetzungs- und Lesearbeit, um festzustellen, wie alt die Klinge ist, vor der man gerade steht, denn „mal eben“ ansehen kann ihnen wohl nur der Fachmann, ob sie nun 200 oder 700 Jahre alt sind.

Als kleines Trostpflaster für den Touristen gibt es dafür zwei sehr ausführliche Faltblätter, die ein wenig Einblick in die Einstellung der Japaner zum japanischen Schwert bieten. „Manual for Appreciating the Japanese Sword“ (wörtlich eigentlich: „Anleitung zur Würdigung des japanischen Schwertes“) ist eine Einführung in die Geschichte und den Aufbau japanischer Schwerter. Eine weitere A4-Doppelseite beschreibt den Umgang mit dem Schwert (selbstverständlich bezogen auf die Pflege, nicht etwa auf die „Verwendung“). Inhaltlich spürt man auch hier die besondere Betrachtung des japanischen Schwertes, z.B. wenn es um Beschädigungen daran geht: „... it must be taken to a polishing specialist at once just like a sick person would need to go to see a medical specialist.“. Ob das jemand so über europäische Waffen schreiben würde?

Also: sollte es einen mal nach Tokyo „verschlagen“, lohnt sich ein Besuch des Museums auf jeden Fall. Und vielleicht gibt es dann ja auch englische Beschriftungen...

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