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Der japanische Garten in Planten un Blomen

Blick in den Garten Wer schon einmal an der S-Bahn Haltestelle Hamburg Dammtor ausgestiegen und dann langsam in die Richtung der Messe und Kongresshallen spaziert ist, hat wahrscheinlich schon Bekanntschaft mit dem japanischen Garten in Hamburg gemacht, an dem sich die Öffentlichkeit offiziell seit dem 18. Mai 1991 erfreuen kann. Bis es zu der Eröffnung kam, war natürlich eine lange Vorlaufzeit nötig, aber wie kam man überhaupt darauf mitten in der Hamburger Innenstadt den größten japanischen Garten innerhalb Europas zu bauen. Ein kurzer Blick in die Geschichte von Planten un Blomen tut also Not. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschließt die Hamburger Bürgerschaft die zwischen 1615 und 1625 entstandenen Wallanlagen, vor denen Friedhöfe entstanden waren, in Grünanlagen umzuwandeln, da die Kriegskunst und die Stadtentwicklung schon zu weit fortgeschritten waren, als dass die Wälle noch Sinn gemacht hätten. Neben den Friedhöfen entstand ein Zoo, später ein Volks-, Vogel und Vergnügungspark. 1935 wird dann die Niederdeutsche Gartenschau auf dem Gelände des ehemaligen Zoos und der Friedhöfe eröffnet und erhält den Namen unter dem der Garten heute bekannt ist: “ Planten un Blomen “. Die wertvollsten und historisch bedeutsamsten Grabsteine kommen nach Hamburg-Ohlsdorf, was böse Zungen noch heute behaupten lässt es würden heute noch Knochen gefunden, wenn in Planten un Baum gepflanzt wird. Das nächste wichtige Datum ist die Gartenbauausstellung 1973, die zum dritten Mal in Hamburg nach 1953 und 1963 stattfindet. Die “ Formensprache der sechziger Jahre “, wie es offiziell hheißt, findet bei den Hamburgern nicht so recht Anklang. Im Volksmund heißt das ganze schlicht “ Planten un Beton “. Nach einem Architekturwettbewerb Mitte der Achtziger Jahre, den Professor Yoshikuni Araki aus Osaka gewinnt, wird in seinem Konzept naturnahe landschaftliche Anlage geplant, in welcher der japanische Garten, das größte umzuwandelnde Stück darstellt. Ein weiter Weg, wenn man bedenkt, dass alles einmal mit Wallanlagen und Friedhöfen begann.

Der Japanische Garten hat heute eine Größe von 18.700 Quadratmetern, wovon 10 % der Fläche mit Wasser bedeckt sind. Die Wasserläufe sind 230 m lang und haben ein Gefälle von 4 Metern. Damit das Wasser im Fluss bleibt, drücken 3 Pumpen Wasser aus einer unterirdischen Brunnenstube bis an die höchste Stelle, von wo das Wasser in 2 Richtungen über Wasserfälle und Kaskaden zurückfließt. Und um der Statistik genüge zu tun, so bleibt noch zu erwähnen, dass zur Gestaltung der Landschaft 1.000 Tonnen Granitfindlinge aus dem Fichtelgebirge, die von Prof. Araki persönlich vor Ort ausgewählt, im Japanischen Garten eingebaut wurden.

Diese Zahlen sollen einen kleinen Hinweis darauf geben mit welcher Liebe zum Detail ein solches Kunstwerk gefertigt wird. Tatsächlich, so kann man dem offiziellen Erklärungsschreiben des Bezirksamtes Mitte entnehmen: „ Japanische Kunst ist die Kunst, eine kleine Landschaft bis ins feinste Detail so zu planen, dass der Eindruck von Natürlichkeit und Zufälligkeit entsteht und der Betrachter die gestaltende Hand vergisst – aber die Philosophie dahinter empfindet. “ Wie sehr dieser Satz im Falle des japanischen Gartens umgesetzt wurde, kann sich jeder selbst bei einem Spaziergang durch selbigen überzeugen. Zudem kann der Spaziergänger die spezielle Bepflanzung eines Japanischen Gartens bewundern, die weniger aus Blütenpflanzen als aus Gehölzen, die durch Form und Laubfarbe die Gestaltung mit Stein und Wasser ergänzen sollen. Soweit es die klimatischen Unterschiede erlaubten, wurde auf Pflanzen zurückgegriffen, die ursrünglich aus Ostasien stammen, aber hier kultiviert wurden. So herrschen Kiefern, Rhododendren und Ahorn vor, aber auch Zierkirschen, Bambus, Ginko und Mammutbäume finden Verwendung.

Unbedingt erwähnenswert ist noch das Teehaus, das den optischen Mittelpunkt des Gartens darstellt. Die Inneneinrichtung des Teehauses wurde auf das Nötigste reduziert, um auf den öffentlichen veranstalteten Teezeremonien auch Zuschauern die Möglichkeit zur Teilnahme zu geben. Im Sommer kann jeder ab 17.00 Uhr nachmittags, für den Fall, dass er gerade in der Gegend ist, vorbeischauen und sich mit einer Tasse Tee beglücken lassen. Alle 2 Wochen findet eine traditionelle Teezeremonie statt, die von Fr. Kazuko Chujo geleitet wird. Zum Schluss bleibt mir als Autor nur zu sagen, dass der Japanische Garten eine wirklich sehr angenehme “ Insel der Ruhe “ während der Studienzeit war, die ich gerne genutzt habe. Also von Platten un Beton keine Spur !

Die aktuelle Terminliste findet man unter http://www.plantenunblomen.hamburg.de/japan.html

Vielen Dank auch an Fr. Nierzwicki-Steinke vom Bezirksamt Hamburg-Mitte, die mich sehr umfangreich mit Hintergrundmaterial versorgte.

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