Iaido News

Erster Jahreshauptlehrgang der DIV

Klaus-Dieter SchulzDie Halle erzitterte, Schweißperlen tropften zu Boden und Schwerter schnellten durch die Luft. Tatort war die Realschule in Wentorf und das Motiv: der 1. Jahreshauptlehrgang der Deutschen Iaido-Vereinigung (DIV).

Fünf Tage lang gab unser Sensei Karl-Heinz Lübcke alles, um den angereisten Iaidoka die Grundlagen und „Geheimnisse“ des Iaido (Seitei und Hasegawa Eishin Ryu) zu vermitteln. Unterstützt wurde er dabei von seinen „ältesten“ Schülern: Klaus-Dieter Schultz, Übungsleiter bei der MSV, Ulrich Bachmann, Übungsleiter im Hakushinkai Lüneburg, Dirk Weinem, Übungsleiter aus dem Dojo für Bewegungskunst in Raesfeld, Ulrich Fenger und Norbert Rübenkamp, beide Übungsleiter im Hakushinkai Hamburg.

Jeder Trainingstag wurde traditionell mit dem Angrüßen der Kamiza, des Sensei und des Schwertes begonnen. Anschließend folgten Grundübungen wie Chiburi, Noto und unterschiedliche Suburi-Übungen. Schon hierbei wurde explizit auf die richtige Koordination von Körper und Schwert geachtet.

Der Beginn des Lehrgangs setzte bei den Grundlagen an. Etwa, wo hat der Schwertgriff vor dem Ziehen zu sitzen? Welchen Weg soll die Klinge beim großen Chiburi nehmen?

Bevor es an die eigentlichen Kata ging, wurden die wichtigsten Punkte in anschaulichen Vorführungen und Suburi-Übungen herausgearbeitet. Beispielsweise bei Mae der richtige Beginn der Kata, bei Ushiro das zur Drehung passende Ziehen des Schwertes oder bei Kesagiri die harmonische Bewegung beider Schnitte.

Es folgten die zwölf Kata der Seitei:

Lübcke Sensei demonstrierte und erklärte jede Kata einzeln, insbesondere der Aufbau, der Verlauf und das Timing standen im Fokus. Es wurden viele Fragen beantwortet und bei so manchem hörte man ein erleuchtetes: AAHH, so ist das also!

Anschließend hatte man die Möglichkeit, die gewonnene Einsicht praktisch umzusetzen. Wobei der Sensei oder ein Sempai uns auch weiterhin helfend zur Seite stand.

Um beim ganzen Üben einen „Lehrgangsalltag“ zu vermeiden, wurden die Übungen aufgemischt, so zum Beispiel durch die Kata Morotetsuki. Hierbei wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt und einander gegenüber gestellt. So hatte jede Gruppe abwechselnd Morotetsuki unter den Augen der anderen Gruppe vorzuführen, dabei stieg das Tempo etappenweise. Die Kata wurde wortwörtlich „atemberaubend“ schnell und lockerte die ernste Übungsatmosphäre wieder auf.

Am Ende des vierten Trainingstages fand die Seitei mit einer Embu den Abschluss. Unterteilt nach Graduierung zeigten wir, was wir die letzten Tage gelernt hatten. Deutlich war der Unterschied zwischen den einzelnen Stufen erkennbar. Wie beeindruckend die Seitei nach ca. 30 Jahren Training sein kann, präsentierte uns unser Sensei bei einer Vorführung aller zwölf Kata.

Am letzten Tag des Lehrgangs widmeten wir uns der Hasegawa Eishin Ryu.

Schnell wurde klar, dass diese Bewegungsfrequenzen einen wesentlich schnelleren und flüssigeren Ablauf verlangten. Die Grundlagen von Iaido - die Beherrschung von Körper und Schwert - war Bedingung für diese Art von Kata. Ukigumo, Yamaoroshi, Iwanami und Takiotoshi wurde für uns Anfänger Schritt für Schritt erklärt, so dass wir zumindest den theoretischen Ablauf umsetzen konnten.

Abschließend wurden alle Kata der Hasegawa-Schule von den höheren Dan-Trägern vorgeführt. Dabei führte der eine Teil die Formen als einheitliche Trainingseinheit (ohne Pausen und mit fließendem Übergang zur nächsten Kata) und der andere Teil alle Kata einzeln auf.

Wir verstanden: da gibt es noch viel zu tun… üben, üben, üben.

In der Mitte des Lehrgangs, am Sonntag, den 9. April wurden Prüfungen abgehalten, Tameshigiri geübt und abends die Jahreshauptversammlung der DIV durchgeführt.Prüfungen der DIV

Die diesjährigen Prüfungen erfolgten auf der Grundlage der Prüfungsordnung der DIV.

Zwölf Prüflinge in der Spanne vom dritten Kyu bis fünften Dan standen am Sonntagvormittag bereit, um zu beweisen, dass sie der angestrebten Graduierung auch würdig sind. Hinter ihnen lagen Monate des Trainings und der Vorbereitung. Die Prüfungen ab dem ersten Dan erfolgten einzeln.

Die Anspannung war deutlich zu spüren.

Jeder von uns versuchte, sein Bestes zu geben, was angesichts der steigenden Nervosität und der fünf Prüfer vor einem nicht einfach war. In einer Zeitspanne von sechs Minuten waren die Kata, eingebettet in Reishiki, zu zeigen. Ab dem dritten Dan wurde neben dem technischen Können auch das Kimochi geprüft.

Nach circa eineinhalb Stunden waren die Prüfungen vorbei. Nach Beratung verkündeten die Prüfer das Bestehen aller Prüflinge und Lübcke Sensei ergänzte, dass diesmal auch die Abstufungen zwischen den einzelnen Graden besonders anschaulich zu erkennen gewesen seien. Lob über das hohe Niveau erhielten nicht nur die Prüflinge, sondern auch deren Sensei. Erleichterung und Freude machten sich breit.

Besonders Timo Jensen vom Hakushinkai Hamburg beeindruckte durch seine Leistungen, er erhielt neben der Urkunde zum dritten Dan eine weitere, als Anerkennung für seine besonderen technischen Fähigkeiten.

Am Nachmittag stand Tameshigiri auf dem Plan. Hierfür wurden eingeweichte Bastmatten auf einen Pflock gesteckt und mit einem Shinken zerschnitten.

Für viele von uns war es das erste Mal überhaupt. Plötzlich hatte man ein scharfes Schwert in der Hand und sollte damit auch noch schneiden. Da wurde der Satz „Schneiden, nicht hacken!“ lebendig und spürbar!

TameshigiriViele Anfänger versuchten sich mehrmals und waren überrascht, als das Schwert wie Butter durch die Matte glitt, kaum spürbar und ganz leicht.

Ins Staunen gerieten wir, als Bettina Baumgarten aus dem Hakushinkai Lüneburg neben der Bastmatte auch gleich die Spitze des Pflocks abschnitt, die immerhin aus ca. zwei Zentimeter breitem Holz bestand. Das Schwert blieb dabei unbeschädigt. Bravo: ein sauberer Schnitt!

Am Sonntagabend trafen sich die Mitglieder der DIV zur ersten Jahreshauptversammlung. Themen wie Vorstellung des Vorstandes oder Wahl des Kassenwarts sowie Fragen der Mitglieder standen auf der Tagesordnung.

Es wurde viel geredet und debattiert, jeder konnte seine Meinung darlegen und sich erklären. Zu vielen Punkten gelang eine Einigung. So waren alle der Meinung, dass der Jahreshauptlehrgang im Vergleich zu den anderen Lehrgängen mit der Länge von fünf Tagen immer noch hervorstechen sollte. Lediglich eine Erhöhung der Trainingsstunden pro Tag und ein wechselnder Austragungsort wurden für die Zukunft in Betracht gezogen.

Unsere fleißigen GastautorenGerade dieser Abend und die offene Aussprache stärkte die gute Atmosphäre und das Gemeinschaftsgefühl.

Da viel reden auch hungrig macht, arbeitete Bärbel Lübcke im Vorfeld fleißig mit dem Kochlöffel. So endete der Sonntag mit einem geselligen Abend mit gutem Essen und interessanten Gesprächen.

Text: Juliane Kranich und Chris Weber

Bilder: DIV

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