Iaido News

Es kann nur einen geben!

Nur einen???Immer wieder hört man beim Training Sätze wie: „Das hat mir XY aber anders gezeigt.“ Keine Frage, viele Iaido-Gemeinden haben eine Größe erreicht, die nicht ständig nur von einem Sensei allein betreut werden kann. Daher ist es sinnvoll und wünschenswert, daß sich die höheren Danträger engagieren, an bestimmten Tagen das Training leiten, oder sogar eigene Gruppen gründen, wie das vor etwa einem Jahr in Poppenbüttel geschehen ist.Doch gerade für Anfänger kann das auch manchmal arg verwirrend sein: Die Übungsleiter legen verschiedene Schwerpunkte, bevorzugen verschiedene Suburi-Übungen und zeigen manche Techniken auch anders. Man versucht also, den Ansprüchen des jeweiligen Sensei oder Sempai gerecht zu werden, nur um ein paar Tage später wieder etwas anderes hören (und einstudieren) zu müssen. Das frustriert zuweilen.

Der echte Highlander: Adrian PaulDoch im Iaido (wie auch in anderen Budo-Disziplinen) ist es nun einmal üblich, daß in mehr oder weniger strengen Hierarchien geübt und gelehrt wird. Schließlich richtet man sich ja beim An- und Abgrüßen auch nach den Älteren, die schon weiter rechts sitzen. Tut man das nicht, geht die Harmonie des Ganzen verloren und die Zeremonie sieht total daneben aus. Älteren Schülern wie auch dem Übungsleiter darf man ruhig unterstellen, daß sie schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben, ihr Iai also schon etwas gereift ist. Sie sind im Trainingsalltag aus gutem Grund Vorbilder. Ein gewisses Vertrauen gehört natürlich auch dazu: Kein Sempai kann ernsthaft wollen, daß seine Trainingspartner etwas Falsches lernen oder sich abgucken. Trotzdem bleibt manchmal ein flaues Gefühl im Bauch zurück, wenn man mit einer Korrektur oder Erklärung nicht ganz einverstanden ist.

Ich denke, Übungsleiter und Schüler sollten gemeinsam dazu beitragen, solche Situationen zu vermeiden. Schließlich sollen die Übenden auch nicht das Gefühl haben, sie müßten ihren Kopf an der Dojotür abgeben. Doch für einen Sempai kann es sehr frustrierend sein, wenn er sein Wissen so gut er kann vermittelt, aber immer wieder damit konfrontiert wird, daß Schüler die Erklärungen eines anderen einleuchtender finden. Dies kann dadurch erleichtert werden, daß man zu jeder Korrektur auch eine Erklärung gibt und ihren Sinn begründet. Bleibt etwas unklar, kann man nachfragen, gegebenenfalls in einer Trainingspause.

Sagawa Sensei hat einmal gesagt: „Iaido beginnt da, wo alle Technik endet.“ In diesem Sinne zu üben bedeutet, daß man nicht im Erlernen bzw. Imitieren von Bewegungsabläufen steckenbleiben darf, sondern ein größeres Ziel hat, auf das man langsam aber stetig zuarbeitet. Körperhaltung, Rhythmus und Wahrhaftigkeit gehören neben der reinen Technik ebenfalls zur Kata. Anfänger sollten sich schnell daran gewöhnen, daß sie kein starres Regelwerk auswendig lernen sollen, sondern einen Weg vor sich haben. Und Wege haben nun einmal Kurven und Steigungen, sind breit oder schmal, eben oder abschüssig. Das macht es manchmal schwierig, immer aber spannend und abwechslungsreich. Wenn jeder Iaidoka sich darüber hinaus im Trainingsalltag selbst nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellt, entsteht eine Ruhe, die das ganze Dojo durchflutet. In solch einer konzentrierten, aber nicht verkrampften Atmosphäre läßt es sich am besten üben und der Fortschritt stellt sich mit der Zeit ein.

Kommentare

Keine Kommentare
Anzeige
Anzeige