Iaido News

Gedanken zum Gruß

Das Angrüßen als Teil des Reishiki gehört, ebenso wie Noto und Chiburi zu den wohl am meisten unterschätzten Ritualen der Iaido-Lehre. Natürlich wird bei jedem Lehrgang betont, wie wichtig diese Abläufe sind. Aber im Trainingsalltag laufen sie dennoch rasch wieder automatisch ab, werden „heruntergespult“, verlieren ihre Tiefe. Das liegt daran, daß besonders das An- und Abgrüßen anders gelehrt und erlernt wird als Katas oder Suburi-Übungen. Kraft und Wendigkeit tragen kaum zu seiner Verbesserung bei, einzig ein tieferes Verständnis verändert diese Zeremonie zum Besseren. Daher soll dieser Artikel ein paar Gedanken zum Angrüßen sammeln. Hier geht es nicht darum, offizielle Regeln zu erläutern oder gar zu verwerfen. Vielmehr soll ein Prinzip, ein Grundgedanke, eine Idee erörtert werden, welche nach Meinung des Verfassers ein wichtiger Teil dieses Rituals ist: Das Prinzip der Einfachheit.

Wer einmal einen guten Lehrer bei einer Vorführung beobachtet hat, weiß instinktiv genau, was damit gemeint ist. Diesen Eindruck dann in Worte zu fassen, dürfte ungleich schwieriger sein. Als Leitgedanke soll an dieser Stelle die Idee benutzt werden, Überflüssiges quasi wegzuschneiden. Das fängt schon beim Hinsetzen an. Viele Iaidoka knien sich wie alte Männer hin. Der Oberkörper wird weit nach vorne geneigt und wackelt erst wieder in die (halbwegs) Senkrechte, wenn der Hintern sich auf die Füße senkt. Das sieht komisch aus und ist sicher nicht im Sinne des Erfinders. Besser für die Haltung (und die Gesundheit) ist ein möglichst gerader Oberkörper. Ein leichtes Vorbeugen lässt sich beim Abknien kaum vermeiden. Aber ein generelles Streben nach aufrechter Handlung wird die gesamte Zeremonie gleich vollkommen anders aussehen lassen. Da Iaido die Aufrichtigkeit in mehrerlei Hinsicht fördern soll, ist kaum einzusehen, warum dies beim Angrüßen ausgerechnet keine Gültigkeit haben sollte.

Nun zur Handhabung des Schwertes. Auch darauf läßt sich das Prinzip der Einfachheit anwenden. Viele Iaidoka lassen ihre Schwerter beim Gruß baumeln, als gingen sie zum Showdown in High Noon. Beim Abknien sackt dann entweder das Tsuka, oder das Sayaende gen Boden oder berührt ihn sogar. Besser wäre es, wenn sich das Schwert in der Horizontalen überhaupt nicht bewegt. Die Vertikale kommt durch das Hinsetzen von ganz alleine ins Spiel. Hier darf man das Iaito ein wenig nach unten senken, bevor es dann auf dem linken Oberschenkel kurz zum Liegen kommt. Nach wie vor gilt aber: Kontrolle ist alles. Zur Vorbereitung des Schwertgrußes reicht es völlig, sein Iaito auf einer Ebene nach rechts vorne zu schieben. Die Arme und vor allem die Schultern sollten sich dabei nicht zu sehr heben, vielmehr sollte das Schwert einen natürlichen Weg beschreiben. Bei der anschließenden Verbeugung berühren manche Iaidoka den Boden beinahe mit der Nasenspitze. Europäer scheinen in asiatische Gepflogenheiten stets viel hineinzuinterpretieren und verbeugen sich entsprechend tief. Auch dies ist zu viel des Guten. Es reicht völlig, wenn die Ellenbogen den Boden berühren. Der Rücken wird nicht krumm und der Hintern bleibt auf den Füßen. Das sieht nicht nur besser aus, sondern ist auch gesünder. Zudem kann die Aufmerksamkeit immer noch auf den Raum vor einem gerichtet bleiben. Mit der Nase auf dem Boden sieht man nichts mehr! Vielleicht sollte man sich daran erinnern, daß Samurai nur alt wurden, wenn sie stets ihre Umgebung im Blick hatten.

Wenn jetzt das Saya in den Obi gesteckt wird, sollte das Iaito wiederum gerade bleiben und nicht wackeln. Es sollte auch nicht gewaltsam in den Obi gestopft oder gefummelt werden. Eine gute Orientierung sind hier der Schwertgriff und die Hand. Der Griff sollte keine wilden Bewegungen nach oben, unten oder zur Seite vollführen, die rechte Hand nicht über die Höhe des Brustbeins reichen. Wenn man bereits beim Ankleiden oder Aufwärmen eine Lücke im Obi „ertastet“ hat, geht´s bei der Zeremonie umso schneller und man braucht keine hastigen Bewegungen, um das Schwert in die richtige Position zu bekommen. Wenn die linke Hand das Saya nur leicht umschließt, bleiben mindestens zwei Finger verfügbar, um unauffällig die richtige Lage zwischen Obi und Hakama zu finden. Der Knoten des Sageos kann ruhig in der Nähe der Körpermitte gemacht werden. So bleibt das Iaito auch bei Ganmenate und Soete Tsuki sicher vertäut, wenn das Tsuka dicht an der Hüfte vorbeirauscht.

Wie gesagt: Dies sind nur ein paar Gedanken des Autoren und kein offizielles Regelwerk. In manchen Dojos wird gelegentlich mit Kameras gearbeitet. Das ist eine gute Methode, um nicht nur die Formen, sondern auch das Reishiki zu überprüfen. Geduldige Mitübende machen sicher gerne mehrere Aufnahmen. Beim gemeinsamen Auswerten kann man dann leicht erkennen, welche Haltung besser wirkt.

Kommentare

Keine Kommentare
Anzeige
Anzeige