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Iaido-News Filmkritik: Zatoichi

Diesmal blond: Kitano als blinder SamuraiEin Samurai kommt in eine kleine Stadt, die von rivalisierenden Banden terrorisiert wird. Er findet Quartier bei einer einfachen, vom Schicksal gebeutelten älteren Frau, sieht sich das Elend der Bevölkerung eine Weile an (im übertragenen Sinne natürlich), tötet einige der Banditen, wiegelt sie gegeneinander auf und befreit letzten Endes den Ort. Die Bewohner jubeln und feiern – der Held zieht weiter.Alles wohlbekannt. Nur: der Schwertkämpfer ist blind. Und es handelt sich um den neuesten Film von und mit Takeshi Kitano.

Zatoichi, der blinde Samurai, ist eine beliebte Gestalt in der japanischen Filmwelt, der schon in einer Reihe von Filmen als Hauptfigur fungierte, unter anderem auch an der Seite von Toshiro Mifune in seiner bekannten Rolle als abgehalfterter Ronin. In dieser aktuellen Version wird Zatoichi, blondgefärbt und kurzhaarig, von Takeshi Kitano dargestellt.

Klar, das schreit nach einem Duell.

Die Handlung ist schnell erzählt und bereits aus den Samuraifilmen der „alten Schule“ bekannt. Doch langweilig ist der Film deswegen nicht, im Gegenteil: Kitano hatte bei den Dreharbeiten freie Hand uns nur das „Gerüst“ des Helden wurde beibehalten. So verdient sich Zatoichi als Masseur sein Geld und sein Schwert befindet sich in einem harmlosen Wanderstock. Abweichend von älteren Verfilmungen endet diese Adaption mit einer großen Überraschung, über die hier allerdings kein Wort verloren werden soll. Im Kino ist der Film zwar schon lange nicht mehr zu sehen, aber auch für die DVD wollen wir unseren Lesern nicht zuviel verraten.

Der Regisseur Kitano setzt Komik und Dramatik gleichermaßen ein, läßt Slapstick und Schwertkampf direkt nacheinander den Zuschauer einfangen. Und die Schwertkämpfe sind beeindruckend: kein Schwertgeklirre a la Hollywood, keine ewig langen Duelle mit aufeinander eindreschenden Samurai. Die Kämpfe sind oft nur sekundenkurz, manchmal davor ein Lauern, ein kurzes Ziehen ... das war es dann auch schon. Dass Kitano sich dabei nach eigenen Aussagen stark am Iaido orientiert hat, ist deutlich zu erkennen: Er selbst hat in einem Interview das Iai als Inspiration für die von ihm eigenhändig choreographierten Kampfszenen genannt. Trotzdem zeigt der Film, sehr zur Freude der Zuschauer, dass auch nicht jeder Samurai zwangsläufig gut mit seinem Schwert umgehen kann.

Mit einer raffinierten Idee macht Kitano den Zuschauer nebenbei zum Mitwisser des blinden Titelhelden: die Geräusche sind sehr viel lauter und dominanter als üblich. Der Zuschauer beginnt, gemeinsam mit Zatoichi auch „mit den Ohren zu sehen“ und das Geschehen zu erkunden. Und wenn einige Szenen in ihrer Handlung den Rhythmus zur unterlegten Filmmusik geben, dann kann man nur noch ganz Ohr sein.

„Zatoichi“ wurde im Rahmen der Eröffnung der Japanischen Filmfesttage am 19.Mai 2004 im Metropolis, Hamburg gezeigt. Inzwischen ist er jedoch bei den einschlägigen DVD-Händlern zu haben. Wir empfehlen die japanische Version mit Untertiteln.

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