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Iaido-News Gastbeitrag: Kaeritsuno

Vor einiger Zeit bemerkte ich zum ersten Mal das Kaeritsuno an einer Saya. Was ein Kaeritsuno ist? Nun, wenn man ein Katana anschaut, nicht die im Dojo verwendeten, sondern die in Büchern über japanische Schwerter abgebildeten, finden sich bei den meisten Katana irgendwo zwischen Kurigata und Kojiri ein kleiner »Haken«. Dieser Haken ist das Kaeritsuno, auch Soritsuno genannt. Die Funktion des Kaeritsuno liegt auf der Hand, er soll verhindern, dass die Saya nach vorne aus dem Obi rutscht. Das Problem das sich dabei auftut ist, dass genau dies bei einigen Kata gewünscht wir. Da fallen einem Tsuka-ate, Ganmen-ate, Shihogiri und einige der Eishin Ryu Kata ein. Wenn man weiter fortgeschrittene Kata, jenseits der gängigen Iaido-Praxis, also Tachi uchi no kurai oder Tsume ai no kurai betrachtet, so verlangen einige der körpernahen Abwehrtechniken ein freies Bewegen der Saya.Sicherlich kann man die Saya so drehen, dass nur die schmalen Seiten Kontakt mit Obi und Hakama haben, was aber immer noch kein sicheres arbeiten erlaubt und in einigen Kata dem »Gegner« schlicht mitteilt, was man beabsichtigt zu tun. In einigen anderen Kata wird die Saya frei bewegt, um sie dem Griff des Angreifers zu entziehen, was somit zu weiteren Komplikationen führen würde.

Im Hoki Ryu, einem Stil der Jinsuke Linie des Iai, kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. Hier werden die Schwerter fast halb aus dem Obi gezogen getragen und das Kaeritsuno müsste mindestens 25 cm von der Kurigata entfernt angebracht sein.

Was sagt uns dies alles? Gibt es einen historischen Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein des Kaeritsuno und einem bestimmten Schwertkampfstil? Oder gingen viele Samurai davon aus, dass sie niemals diese Techniken anwenden würden?

Man geht davon aus, dass das Bewegen der Saya eine neuere Entwicklung ist. Tatsächlich gibt es eine Überlieferung über Yamamoto Harusake, einem Schüler von Oe Masamichi, in der von einem Schüler berichtet wird, der beim Ziehen Sayabiki ausführt. Offenbar wurde das Ziehen und das Noto ohne das Bewegen der Saya durchgeführt, was zu der Annahme führt, das weitaus kürzere Schwerter als heute benutzt wurden. Die Benutzung von langen Schwertern im Iai wurde unter anderem von Nakayama Hakudo (Muso Jikiden Eishin Ryu) eingeführt.

Auch wird berichtet, dass das Sageo so um die Saya gewickelt wurde, das diese nicht aus dem Obi rutschen konnte. Diese Variante klingt plausibel, wenn man an sich vorstellt mit dem bereits gezogenen Schwert über das Schlachtfeld zu rennen. Das letzte was man dann will, ist eine Saya die herausrutscht und sich wie ein Anker an einem Felsen oder Ast verfängt, während sie mit dem Sageo am Obi festgeknotet ist.

Der Nutzen eines Kaeritsuno erschließt sich einem wenn man sich vorstellt, das Katana bereits gezogen zu haben und nun mit einer Hand Wakizashi oder Tanto ziehen will, da hält der kleine Haken die Saya fest und man kann einhändig ziehen. Somit dürfte dann auch ein Kaeritsuno an der Saya eines Katana Sinn machen, wenn man von einem Schwertkämpfer ausgeht, der beidhändig kämpft.

Jörg Ruther

Hakushinkai Düsseldorf

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