Iaido News

Kanji – die Hieroglyphen Japans

Fast jeder dürfte sie schon gesehen haben, auf Bildern aus Tokyo und Kyoto, auf Sakeflaschen und Eßstäbchen, auf Speisekarten oder als modischer (wenn auch manchmal inhaltlich schwachsinniger) Aufdruck auf T-Shirts – und natürlich auch beim Iaido: Kanji, die japanischen „Wortzeichen“. Auf den ersten Blick sind sie für den lateinische Buchstaben Gewöhnten nur eine scheinbar willkürliche Ansammlung von Strichen, Linien und Schnörkeln. Und es fällt schwer, sich das Ganze als ein ausgefeiltes, gut funktionierendes Schriftsystem vorzustellen.Die Kanji wurden von den Japanern vor ca. 1500 Jahren von den Chinesen übernommen und wurden seitdem in beiden Kulturkreisen verändert und zum Teil auch vereinfacht. Genaugenommen handelt es sich um Piktogramme – um Bildzeichen, in denen teilweise auch heute noch die ursprünglichen Bilder zu finden sind. Das Zeichen für Baum beispielsweise ist noch recht gut zu erkennen; ein Zeichen, das aus drei kleinen Bäumen besteht, bedeutet Wald; das Symbol für Sonne, in das Zeichen für Baum hineingeschrieben, steht für Osten (also dort, wo die Sonne aufgeht) etc.

Bei näherer Betrachtung lassen sich in den Schriftzeichen immerwiederkehrende Grundformen („Radikale“) erkennen. Da diese auf stark vereinfachten „Grund-Kanji“ basieren, kann manchmal sogar auf die Bedeutung eines unbekannten Zeichens geschlossen werden. Der Radikal, der von dem Zeichen für Wasser abgeleitet ist, findet sich z.B. in den Schriftzeichen für Teich, Dampf, Meer oder Sake wieder, der Radikal, der aus „Messer“ entstanden ist, in den Zeichen für teilen, trennen, Anteil oder Minute (Teil einer Stunde).

Ungewohnt ist, dass sich die Schreibung an der Bedeutung eines Wortes orientiert, nicht aber an der Lautfolge, mit der das Wort ausgesprochen wird. So kann es vorkommen, dass man die Bedeutung eines Kanji kennt, aber nicht die geringste Ahnung hat, wie das Wort auf Japanisch lautet. Im Gegensatz dazu könnte man im Deutschen ein völlig fremdes Wort problemlos ablesen, ohne zu wissen, was es bedeutet.

Um das Ganze noch etwas komplizierter zu machen, gibt es für die Kanji oftmals unterschiedliche Lesearten - je nach Zusammenhang oder ob sie als Einzel- oder zusammengesetztes Wort stehen ... und die als „Lautfolge“ so gar nichts miteinander zu tun haben. Einen klassischen Lesefehler gibt es beispielsweise in bezug auf den Berg Fuji, der von Nicht-Japanern gerne als „Fuji-yama“ bezeichnet wird; richtig ist aber „Fuji-san“: gleiches Schriftzeichen, steht hier aber als zusammengesetztes Wort und wird nicht „yama“ sondern „-san“ gelesen.

Das System mag umständlich erscheinen, schließlich hat der durchschnittliche Japaner bis zum Ende seiner Schulzeit ca. 2.000 Kanji zu lernen; es existieren wohl über 20.000 – die dürfte kaum jemand alle im Kopf haben. Warum nicht einfach auf lateinische Buchstaben umsteigen? Das Japanische hat eine große Zahl an gleichklingenden Worten und so könnte es sehr leicht zu Verwechselungen kommen. Ein Kanji ist dagegen recht eindeutig in seiner Bedeutung – und schneller zu lesen ist es auch (wenn man es denn kennt). Und wer möchte den Zeichen ihren ästhetischen Reiz absprechen? Nicht umsonst hat sich in Japan „Shodo“, der „Weg des Schreibens“, entwickelt.

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