Iaido News

Labor gegen Straße: World of Weapons am 13. Juni 2009

Zugegeben, der Titel dieses Artikels mag verwirren. Doch ein Gegensatz war schon zu spüren, als am Samstag, den 13. Juni ein gemeinsamer Lehrgang der Kampfkünste Iaido, Fight of Knife, Bo-Jutsu und Tonfa in Osterholz-Scharmbek stattfand. Unterrichtet wurde in vier Sektionen von jeweils etwa 75 Minuten Dauer. Genug Gelegenheit also, sich mit diversen Waffen intensiv zu beschäftigen.Die Lehrgangsteilnehmer (alle Fotos:  Maik Köster))

Da ich die Ehre hatte, den Teilnehmern das Iaido näherzubringen, spiegelt dieser Artikel natürlich auch meine Sicht als Iaidoka wider. Zunächst bleibt festzuhalten, daß Peter Gevatter mit seiner Familie seit einigen Jahren ein sehr schönes, freundliches Dojo betreibt, das "Studio der Kampfkünste". Von Karate, Ju Jitsu über ATK bis hin zum Ki Bo Aero wird fast alles geboten, was das Herz begehrt. Die Deckenhöhe lädt auch zum Iaido-Üben ein, wie ich bei der Ankunft erleichtert feststellte. Bei diesem Lehrgang fanden sich nun über 30 Kampfkünstler aus allen Ecken der Bundesrepublik, die sechs Stunden lang gemeinsam trainieren wollten.

Für viele Teulnehmer mag Iaido ein ungewohntes Programm zu ihrem sonstigen Training gewesen sein, denn die nachfolgenden Sektionen waren wesentlich praxisorientierter. Wir begannen zunächst mit ein paar Suburi-Übungen, um die Schwertführung und einige Grundelemente einer jeden Kata: Ziehen, Schneiden, Tchiburi und Noto ein wenig kennenzulernen. Die Übenden gewöhnten sich rasch an die Bokken und so konnte bald gemeinsam die erste Kata erlernt werden. Zum Schluß folge Ukenagashi in Partnerübung, um etwas von der Theorie wegzukommen und die Stimmung zu lockern. Bei allen Übungen war es eine Freude zu sehen, wie schnell die ungewohnten Bewegungen angenommen und umgesetzt wurden. Der Rest des Lehrgangs wurde nun für mich zum Kontrastprogramm!

Aller Anfang...)

Zunächst musste ich als Iaidoka mich nun auf Körperkontakt einstellen. Thomas Bielefeldt (1. Dan) führte in einige grundlegende Techniken des Fight of Knife ein. Und bereits nach einer kurzen Erklärung war Partnerarbeit angesagt. Plötzlich war der „Gegner“ also sehr nah. Hier freilich nur in Form eines geschätzten und freundlichen Mit-Übenden. Es ging ganz konkret darum, einem Angriff zu begegnen, den Gegner zu entwaffnen und die Waffe dann gegen ihn zu richten. Und es ging schnell vonstatten. Beruhigend war immerhin, daß einige Grundprinzipien vom Iaido her bekannt waren und auch hier zur Anwendung kamen, z.B. das schnelle „Herausgehen“ aus der Schnittlinie. Parallelen zu den Stehkatas, jedoch auch Ukenagashi waren sichtbar. Etwas „handfester“ wurde in der nachfolgenden Sektion der Umgang mit dem Tonfa, welcher durch Shaun Sheperd (2. Dan) gelehrt wurde. Zumindest der Griff dieser Waffe symbolisierte dem Iaidoka vertrautes Terrain. Wie vielseitig diese eingesetzt werden kann, überraschte wiederum und machte erneut klar, daß es hier um sehr konkrete Situationen ging, die man sicher nicht gerne „live“ erleben möchte. Den Abschluß des Nachmittages machte Jörg Gerdes (2. Dan) mit einer Einführung in die Kunst des Bo Jutsu. Hier begannen wir zunächst ohne Stock. Die anschließenden Partnerübungen begannen zum Teil ebenfalls waffenlos: Sie gingen nicht selten davon aus, daß man dem Gegner die Waffe zunächst entreißen muß. Hier faszinierte die raffinierte Art, mit der die Kraft des Angreifers auf ihn zurückgeworfen wurde. Ein Aspekt, der im Iaido hier und da ebenfalls auf­schimmert.

Diese Technik ist ein alter Bekannter...)

Mir wurde auf diesem Lehrgang fundamental der Unterschied von Iaido zu anderen Kampfsport-Disziplinen klar, im positivsten Sinne wohlgemerkt: Gerade die Unmittelbarkeit der hier erlernten Techniken hat mich dazu gebracht, meine eigenen zu überdenken und zu hinterfragen. Anderes war auch eine Bestätigung des eigenen Tuns. Und generell blieb die, nicht ganz neue, Erkenntnis, daß man einem Kampf besser ausweichen statt ihn suchen sollte!

Der Verfasser in einer bislang ungewohnten Haltung.)

HN

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