Iaido News

Neues aus dem Iai-Labor

20090927-03-uto.jpgSeit nun mehr als eineinhalb Jahren befinde ich mich aus beruflichen Gründen in Spanien, genauer gesagt in Valencia, dem Geburtsort der Paella. Dies brachte unglaubliche Verän­de­rungen meines Privat- und Arbeits­lebens mit sich und beeinflusste natür­lich auch ganz erheblich die Möglichkeit Iai zu trainieren. Konnte ich in Hamburg mindestens zweimal die Woche regelmässig trainieren, bereitete mir hier schon die Kommunikation erhebliche Schwierig­keiten. Zwar gibt es in Valencia sogar ein Iaido-Dojo, aber nach über zehn Jahren Iaido-Training auf hohen Niveau, gelang es mir leider nicht mich wieder auf die Stufe eines Anfängers zu begeben. Meine fehlenden Spanisch-Kenntnisse taten dann noch ihr übriges. So blieb mir also nichts anderes übrig als auf eigene Faust zu versuchen eine Trainings­stätte zu finden. Allerdings gestaltete sich das Finden eines Trainings­raumes als nicht minder schweres Unterfangen. Wer glaubt, dass es in Deutsch­land viel Bürokratie, unsinnige Regeln und überzogene Auflagen gibt, sollte sich unbedingt einige Zeit in Spanien aufhalten. Danach wird ihm das deutsche System wie ein Service Paradies vorkommen !

Nach einigen Monaten erfolgloser Suche entschloss ich mich mein Labor (Ich arbeite als Physiker an einem spanischen Institut für Teilchenphysik) ebenfalls zu meiner privaten Iai-Experimentierstätte zu nutzen. Und wie so oft entpuppte sich die Notlösung als echter Glücksfall. Das Wort Labor kommt ja vom lateinischen laborare und bedeutet arbeiten. Und dass in einem Dojo gerne auch mal gearbeitet und geschwitzt werden darf, konnte ich nun seit Beginn meiner Zeit als Iaidoka immer wieder aus erster Hand erleben. Anders als ein Büro, das mehr zur intellektuellen oder theoretischen Arbeit gedacht ist, soll in einem Labor ja auch praktisch gearbeitet werden. Je mehr ich darüber nachdachte umso mehr scheint es mir, das Labor und Dojo sich gar nicht so unähnlich sind.

  • Ein Labor wie ein Dojo ist zum Erforschen und zur praktischen Umsetzung von Ideen (Katas) gedacht.

  • In beiden Fällen kann die Arbeit oftmals mühsam, manchmal sogar frustierend sein und der Erfolg wird in vielen Fälle erst nach einiger Zeit erkennbar.

  • Ohne kontinuierliches und systemmatisches Lernen gibt es keinen Fortschritt.

  • Jede neue Idee benötigt die experimentelle Überprüfung, sonst bleibt sie nur Theorie.

  • Nichts ist (zumindest für mich persönlich) eine grössere Freude, wenn ich die Idee hinter einer Sache verstehe und sie nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch begreifen kann.

Ein zusätzlicher interessanter Gedanke ergab sich aus der Tatsache, dass es natürlich nur ausserhalb der normalen Arbeitszeiten möglich ist in (m)einem Labor Iaido zu trainieren. Der Gedanke, dass Iaido eben etwas ist, das ausserhalb der normalen Zeit stattfindet. Eine kleine zeitliche Verschiebung macht aus dem einen Raum (trotz der oben erwähnten Gemeinsamkeiten) in dem ich die äussere Welt erforsche, einen Raum in dem ich meine innere Welt erforschen kann. Dies scheint mir dann auch der fundamentale Unterschied zu sein, zwischen der Welt der (Natur)Wissenschaft und der Welt des Iai. Wer will kann sich auf meiner homepage zwei Kostproben aus dem Iai Labor anschauen. Ich freue mich über eventuelle Kommentare und Meinungen.

In diesem Sinne viele Grüsse aus dem Iai-Labor.

Kommentare

  • Jörg Ruther

    Hallo Markus,

    Du schriebst:
    "Wer will kann sich auf meiner Homepage zwei Kostproben aus dem Iai Labor anschauen. Ich freue mich über eventuelle Kommentare und Meinungen." und verweist auf Deine Homepage: http://ific.uv.es/~ball/iai...

    Schade nur, dass die beiden dort angegebenen Links:

    Setei Iai 2nd February 2009, Valencia, Spain: http://ific.uv.es/~ball/ass...

    und

    Hasegawa Iai 25th September 2009, Valencia, Spain: http://ific.uv.es/~ball/ass...

    scheinbar nicht funktionieren. Ich bin sehr gespannt darauf die Filme zu sehen. Kannst Du das bitte raparieren.

    Danke!

    J.R.
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