Iaido News

Reflexionen über das Wesentliche eines Dojo

Wie die meisten Personen wahrscheinlich wissen, die einmal eine Budo-Disziplin betrieben haben, setzt sich der Begriff Dojo aus den beiden Begriffen Do (Weg) und Jo (Ort) zusammen und bedeutet daher “Der Ort, wo der Weg” gelehrt wird. Was bedeutet das aber eigentlich konkret und was kennzeichnet das Wesentliche an einem Dojo? Dieser Frage möchte ich in diesem Artikel einmal nachgehen.Zuallererst versteht man unter dem Dojo die konkrete Trainings- oder Übungsstätte. Die vordere Wand des Dojo nennt man Shomen (vordere Seite). In vielen traditionellen Dojo hängt dort ein Bild des Stilgründers. Im Shintoismus ist der Shomen eine Art Altar, den man Shinzen (Ort des Gottes) oder Kamiza (Sitz der Götter) nennt. Die Lehrer sitzen im Dojo immer auf der linken Seite des Shomen, während die Schüler in absteigender Rangordnung auf der entgegengesetzten Seite sitzen. Die dem Shomen gegenüber liegende Seite nennt man Shimosa (Eingangsseite des Dojo).

Ein weitere wichtiger Punkt bei einem Dojo ist das optische Erscheinungsbild. Ich meine hier nicht unbedingt das Reinigen des Dojo. Ein Dojo sollte natürlich sauber sein, schon weil das Üben dann wesentlich angenehmer ist. Zudem ist das Reinigen des Dojo auch eine eigene Übung für sich und wenn einen diese Übung stört muss man sich selbst fragen, warum dies eigentlich so ist? Ich meine vielmehr wie schlicht oder einfach soll ein Dojo aufgebaut sein? In traditionell ausgerichteten Dojo finden sich viele Reliquien und Artefakte wieder, die alle eine gewisse Bedeutung haben. Aber sind sie deshalb auch wesentlich? Oder um es mal etwas zugespitzt zu formulieren: Ist nicht alles was vom konkreten Training ablenkt nur Tand? Was ist denn von diesen Dingen wirklich essentiell? Letztendlich nur: Du, dein Schwert (die Kata), das eigene Training und die daraus resultierenden Erkenntnisse.

Der Begriff Jo ( = Ort, Raum ) kann ja nicht nur in einem direkten, sondern auch in einem übertragenen Sinne gebraucht werden. Ich verstehe das so, dass man sich selbst Raum geben soll, der fern ab vom Alltag ist. Dies bietet nämlich einen ganz anderen Ansatz beim Annähern an eine Fragestellung. Während man im Alltag hauptsächlich analytisch, logisch an ein Problem herangeht, findet man im Dojo einen eher ganzheitlichen Ansatz. Ein Beispiel: Man kann als Ursache oder Grund angeben warum ein Haus entsteht, (erstens) weil ein Fundament ausgehoben wird, dann Wände hochgezogen werden, ein Dach darauf darauf gesetzt wird, usw. Man kann aber auch als Ursache dafür ansehen, dass ein Haus entsteht, dass es Menschen gibt die darin wohnen wollen. Das eine ist die logische, analytische Betrachtung, das andere eine eher ganzheitliche Betrachtung. Im einen Fall fragt man: Wie passiert etwas? Im anderen Fall: Warum passiert etwas? Beide Betrachtungen sind wichtig. Ich behaupte jedoch, wenn man Iaido oder generell Budo nur nach der ersten Fragestellung erlernt, dann wird daraus ein reines Studium von Techniken. In einem Dojo sollte immer auch diese zweite Sichtweise zur Geltung kommen. Hinzu kommt: Etwas zu sehen heisst eben nicht gleich es auch umsetzen zu können, so wie es einen Unterschied macht, ob man etwas weiss oder es eben auch kann. Die Tiefe in der Erkenntniss liegt meiner Meinung nach darin, daß man all diese verschiedenen Stationen verinnerlicht hat.

Sich für diese Prozesse, die zu Erkenntnissen führen, immer wieder zu öffnen, sich dafür Zeit und Raum zu geben, das ist für mich das Wesentliche im Dojo-Alltag. Diese Atmosphäre halte ich persönlich wichtig zu verinnerlichen. Alles was jenseits davon um das Dojo drum herum aufgebaut wird, lenkt nur vom Wesen eines Dojo ab. Wenn diese Atmosphäre fehlt, wird irgendwann wichtiger, wer wo in der Rangfolge steht, wer seine Kleider im Dojo aufhängen darf und wer nicht und wer welches Pöstchen innehat. Oder aber es werden eine ganze Menge von sinnentleerten Regeln und Vorschriften aufgestellt, deren strikte Einhaltung wichtiger wird als sich selber Raum zum eigenverantwortlichen Training und damit zum eigenverantwortlichen Lernen zu geben. Das Wesentliche eines Dojo muss daher immer auch sein, sich zu überprüfen, ob dieser zuvor beschriebene Raum existiert bzw. noch vorhanden ist.

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