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Vagabond von Inoue Takehiko

Hier möchte ich gerne mal einen meiner Lieblingsmanga vorstellen. Es geht um “Vagabond” von Inoue Takehiko, der dafür mit mehreren Mangapreisen ausgezeichnet wurde. Die Geschichte basiert auf dem Buch “Musahi” von Yoshikawa Eiji und behandelt das Leben eines der grössten Samurais aller Zeit, Myamoto Musashi und seines grössten, da ebenbürtigen Gegners Kojiro Sasaki. Musashi und Kojiro)Die Geschichte beginnt mit dem jungen Takezo Shinmen, der später zu Myamoto Musashi werden wird. Er ist einer der Überlebenden der Sekigahra Schlacht. Dieser Schlacht begründete die Vorherrschaft der Tokugawa in Japan, welche über 200 Jahre andauerte. Takezo und sein Freund Matahachi Honiden müssen sich gegen siegreichen Samurai zu Wehr setzen, welche die Überlebenden der Schlacht töten sollen. Takezo gelingt es die ihn attackierenden Samurai seinerseits zu töten und zusammen mit Matahachi gelingt es ihm, dem Schlachtfeld zu entkommen. Nachdem beide vor Erschöpfung zusammengebrochen sind, werden sie von zwei Frauen gerettet, die sie vor den Samurais, wütenden Bauern mit Bambusstangen und herumstreunenden Banditen verstecken. Bei den beiden Frauen handelt es sich um Mutter und Tochter und bald wird klar, dass die Mutter, Okou, ein Auge auf den jungen Takezo geworfen hat und diesen auch später zu verführen versucht. Der Versuch schlägt jedoch fehl, da Takezo den Annäherungsversuchen von Okou eher angewidert entgegensteht. Zur selben Zeit stürmen Bergsamurai das Haus. Im darauf folgenden Kampf töten Matahachi und Takezo die Samurais und Takezo gelingt es auch den Anführer der Gruppe, Tenma Tsujikaze, zu erschlagen. In derselben Nacht kommt es zu einer sexuellen Begegnung zwischen Matahachi und Okou, wobei sich Matahachi als Takezo ausgibt, wohl wissend das zu Hause auf ihn seine Verlobte wartet. Der nächste Morgen beginnt mit Takezo`s Entschluss künftig als Vagabund umherzuziehen und sich einen Namen als Schwertkämpfer zu machen. Er möchte “Unter dem Himmel kein Zweiter, Einzigartig, werden.” Kurz darauf jedoch stürmen die Reste der Bergsamurais Okous Haus, wo sie ihren vermissten Anführer vermuten. Matahachi und Takezo, die Okou im Haus vermuten, eilen zu Hilfe, doch im letzten Moment verlässt Matahachi der Mut vor der riesigen Übermacht. Takezo steht nun dem Rest der Bande allein entgegen. Matahachi begegnet Okou jedoch auserhalb des Hauses und da sie annehmen Takezo sei getötet worden, beschliessen beide zusammen zu fliehen. Takezo jedoch, obwohl von einer Übermacht umzingelt, tötet alle verbleibenden einen Gegner nach dem anderen.

Ein Auftakt wie ein Paukenschlag. Als Leser wird man praktisch sofort von null auf hundert in die Geschichte hineingeworfen und bleibt fasziniert darin. Dabei gefällt mir ganz persönlich die Widersprüchlichkeit der gezeigten Charaktere. Keine der Figuren ist nur schwarz oder weiss, sondern menschlich, voller Fehler, voller Ecken und Kanten. Es wird gestohlen, Freunde hintergangen, die eigene Verlobte betrogen, verführt und natürlich auch getötet ohne Ende. Musashi sitzend Im besonderer Weise wird der Mangel, die Fehlerhaftigkeit natürlich an der Gestalt des Takezo Shinmen oder Myamoto Musashi selber deutlich. Ein Mensch, der überall aneckt, eine Bestie, die nur Leben findet, wenn sie sich auf dem Schlachtfeld oder im Kamf befindet. Angetrieben von dem Wunsch einzigartig und stark zu werden, um frei und selbstbestimmt leben zu können. Unter dem Himmel kein Zweiter. Und doch ist es genau dieses Leben, das er voller Konsequenz dem Schwert widmet, der Wendepunkt hin zu mehr Menschlichkeit. Gerade die Tatsache, dass er sich immer wieder erneut dem Höllenfeuer (was in diesem Zusammenhang synonym zur eigenen Todesangst gebraucht wird) aussetzt, anstatt sich auf Erreichtem auszuruhen, lässt ihn seine Fehlern und Schwächenerkennen um sie letztendlich zu überwinden. In dieser Auseinandersetzung mit der der eigenen Todesangst und der Bewusstwerdung der Gewalt in seinem Leben findet er auch ein neues Element, das Element der Freiheit. Aus freien Stücken nimmt er das Leben, den Menschen, der er geworden ist an, so dass ihn seine Angst nicht länger beherrscht, sondern er die Furcht. Am Ende wird er eine Legende des Samuraizeitalters sein.

Wirklich begeistert haben mich neben der Geschichte die wirklich genialen Zeichnungen von Inoue Takehiko. Ganz generell besteht ja die Schwierigkeit eines Comic oder Manga die Bewegung und Handlung einer Geschichte im Kopf des Lesers zum Leben zu erwecken. Wie schafft man es eine Bewegung zu erzeugen, wenn man dazu nur einzelne und dazu noch starre Bilder zu Verfügung hat ?

Frank Miller, Autor solcher Klassiker wie `"Return of the Dark Knight", Sin City oder 300, von dem viele behaupten, er sei einer der Personen, die aus dem Comic-Genre eine Kunstform gemacht haben, und einer meiner ganz persönlichen All Time Heroes schreibt dazu:

“Die Feinde des Comic-Zeichners sind Bewegung und Zeit. Deswegen sind die Gesten alle so übertrieben und dramatisch, weil man die Bewegung und den Ausdruck einzufangen versucht. Und Bilder sind statisch - der Leser gibt das Tempo vor. Ein Comic-Amateur wird versuchen, das Tempo zu verlangsamen, indem er viele Worte einbaut, die die meisten Leser dann einfach überlesen. Aber ein Könner verlangsamt das Tempo, indem er das Auge bezaubert.”

(Das ganze Interview kann man unter: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,571473,00.html nachlesen)

Legt man dieses Kriterium für Inoue Takehiko an bleibt einem nur übrig vor einem echten Könner den Hut zu ziehen. Von gestochen scharfen und unglaublich detaillierten Bildern bis zu eher Karikatur ähnlichen Bildern ist alles dabei, was das Manga Herz begeehrt. Inoue Takehiko kann einfach alles. Selbst einfache Probe- oder Vorzeichnungen sind zwischen den Kapiteln zu finden. Sie vermitteln dem Leser das Gefühl das Entstehen einer Szene aus den Augen des Zeichners mitzuerleben. Eines lässt meiner Meinung nach mit Sicherheit sagen: Inoue Takehiko bezaubert das Auge !

Wer Interesse bekommen hat und die Seite von Inoue Takehiko besuchen will, findet diese unter:

http://www.itplanning.co.jp/

Wer Lust bekommen hat mal selbst einen Blick in "Vagabond" zu werfen, kann dies entweder in seinem bevorzugten Comicshop tun oder unter: http://www.manganet.de/index.php/cat/C440_vagabond.html?view=reihenintro bestellen. In Deutschland zahlt man 6.50 Euro pro Band.

In diesem Sinne viel Spass mit diesem Meisterwerk.

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