Iaido News

Was ist der richtige Abstand?

Der Begriff »Ma-Ai« bedeutet in Budo-Kreisen etwa „räumlicher Abstand zum Gegner“ und wie bei vielen Elementen im Iaido nimmt man auch hier die Existenz eines idealen Abstandes an, den es zu erlernen und ergründen gilt. Für die Katas ist das wichtig und sollte ernstgenommen werden. Es gibt jedoch beim Training ein weiteres Abstandsverhältnis, das beachtet werden muß: das zu seinen Trainingspartnern.Bei vielen Trainingseinheiten kann man, besonders als Fortgeschrittener, Situationen beobachten, bei denen man denkt: „Das war haarscharf.“ Ich meine Momente, in denen es (fast) zu Schwertkontakten kommt oder ein Trainingspartner beinahe durch die unkontrollierte Schwertbewegung eines anderen verletzt wird. Mangelnde Achtsamkeit ist fast immer die Ursache solcher Beinahe-Unfälle.

Viele Iaidoka neigen dazu, die eigene Schwertlänge nicht richtig einzuschätzen, zu energisch zu schneiden oder schlicht nicht darauf zu achten, was sie gerade tun. Gerade bei Suburi-Übungen kann es leicht passieren, daß man nur auf sein eigenes Schwert schaut und dabei übersieht, daß der Abstand zum Vordermann sich verringert hat. Oder man läßt beim Ausholen des Schwertes über dem Kopf die Spitze zu sehr fallen, was im engen Dojo ebenfalls gefährlich werden kann, wenn jemand hinter einem steht. Was auch immer die Ursache sein mag, solche Gefahrenquellen sollten in jedem Fall bearbeitet werden. Manchmal ist es für ein großes Tchiburi zu eng, dann tut es das kleine auch nach dem Motto: Besser ein sorgfältiges kleines als ein vermurkstes großes. Denn auch wenn Iaitos nicht schneiden wie ein scharfes Schwert, gefährlich sind sie allemal.

Vieles läßt sich durch die richtige Technik vermeiden: Das Fallenlassen der Spitze beispielsweise durch eine geschlossene linke Hand und ein starkes Te-no-utchi.

Aber die beste Technik ersetzt nicht die Aufmerksamkeit, die jeder Iaidoka sich und seiner Umgebung widmen sollte. Wer Faustregeln mag, könnte sich merken, daß bei Schnittübungen jeweils eine Schwertlänge zwischen eigener Spitze und dem Vordermann bleibt. Und wer das schwer einschätzen kann sollte im Zweifelsfall einfach einen Moment warten, bevor er den nächsten Schnitt ausführt. Iaido soll den Übenden zwar auf sich selbst zurückbringen. Doch das heißt bestimmt nicht, daß er seine Umgebung nicht mehr wahrnehmen soll vor lauter Konzentration auf die eigenen Bewegungen. Der Respekt vor seinen Trainingspartnern kann sich nicht nur durch die Verbeugung ausdrücken, sondern auch in dem Freiraum, den man ihnen zugesteht. Anders ausgedrückt: Es ist verdammt unangenehm, wenn eine Schwertspitze wenige Zentimeter von einem entfernt heruntersaust. Ein Fortgeschrittener merkt das auch, wenn es hinter seinem Rücken geschieht. Daher an dieser Stelle die Bitte: Achtet auf Eure Mit-Übenden und tretet im Zweifelsfall ein wenig kürzer.

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