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Ausstellung Hamburger Völkerkundemuseum

Ein alter Buddha: Lama Tsongkhapa, um 1800Man kennt das ja. Es ist Sonntag und wie gewöhnlich ist das Wetter trotz gegenteiliger Aussage des Kalenders alles andere als frühlingshaft und sommerlich, sondern grau und verregnet. Ein Grund, den Sonntag mit einem Buch im Bett herumzugammeln? Nein, denn es gibt es jetzt eine hervorragende Alternative, nämlich die Ausstellung im Hamburger Völkerkundemuseum: Die Welt des tibetischen Buddhismus / Der innere Reichtum des Museums. Nach dem durchschlagenden Erfolg der Austellung (die eigentlich »nur« bis November 2005 laufen sollte) wurde diese nun bis November 2006 verlängert. Wer also bisher noch nicht die Zeit gefunden hat die Ausstellung zu besuchen, hat jetzt noch einmal neun Monate Zeit.Wobei der zweite Teil des Ausstellungstitels wahrlich keine Untertreibung ist. Tatsächlich stammen alle der ca. 1600 Ausstellungsexponate aus der eigenen Sammlung des Völkerkundemuseums. Dabei handelt es sich nicht nur um Exponate aus Tibet, sondern auch zum Beispiel aus Nepal, Bhutan, oder der inneren und äußeren Mongolei. Betritt man die Ausstellung wird man von gedämpften Licht empfangen, da den Exponaten kein Schaden zugefügt werden soll. Im ersten Raum erhält der Besucher sowohl einen ersten Einblick in die Lehre des Buddhismus, als auch das Eindrücke vom tibetischen Alltagsleben. Besonders schön sind hierbei zwei Abbildungen des Rads der Existenz.

Der Aufbau ist hierbei wie folgt. Im Zentrum des Rads bilden Schwein, Schlange und Hahn ein ineinander verbissenes Knäuel. Sie stehen für Gier, Hass und Unwissenheit, die den Menschen vom Heilsweg abbringen. Der innerste Ring steht für die 6 Erscheinungsformen, welche die Wesen nach einer Wiedergeburt einnehmen können. Die 6 Erscheinungsformen sind Götter, Titanen, Menschen, Tiere, Hungergeister und Höllenbewohner. In einem zweiten Kreis wird beschrieben wie sich die Geburt in einer dieser Existenzformen auswirkt.

Zwangsläufig fielen mir bei der Betrachtung dieser unterschiedlichen Ebenen wieder ein, dass sich wohl so mancher Zeitgenosse in der Hölle aufhält oder aber wie ein Gott über den anderen zu thronen scheint. Aber was ich als Christ am Buddhismus immer sehr faszinierend finde ist die Tatsache, dass die Ebene des Menschen diejenige ist, welche die besten Vorrausetzungen birgt das Rad der Existenz verlassen zu dürfen. Der äußerste Ring stellt den Zusammenhang dar, durch den die Taten einer Existenz die nächste bedingen. Der Dämon des Todes hält das Rad der Existenz in seinen Klauen.

Der andere Teil zeigt Einblicke in das Alltagsleben, so ist eine tibetische Wohnung nachgebaut, aber auch Kleidung, Waffen oder gar das vollständige Rezept zum Kochen von Buttertee kann man hier bestaunen.

Wie bereits erwähnt sind nicht alle der Exponate tibetischer Herkunft, sondern stammen auch aus anderen benachbarten Regionen. So ist dies nicht nur eine Ausstellung über den tibetischen Buddhismus, sondern auch über den Einfluss den der tibetische Buddhismus beispielsweise auf seine Nachbarstaaten ausübte, oder aber auch wie er selbst beeinflusst wurde, sprich welches sind die Wurzeln dieser Prägung des Buddhismus.

Besonders große Aufmerksamkeit wird hierbei auf die Beziehung zur Mongolei gelegt. Die Mongolen kamen bei ihrem Einfall in Tibet im 13. Jahrhundert mit dem tibetischen Buddhismus in Berührung. Ein Enkel Dschingis Khans, Kublai Khan, ließ sich in den tibetischen Lehren unterweisen. In der mongolischen Volksschicht verbreitete sich der Buddhismus erst im 16. Jahrhundert. Ein hoher Lama der Gelugpa (Gelbmützen) bekam schließlich im Jahr 1578 von dem Mongolenherrscher Altan Khan den Titel „Dalai Lama“ verliehen, der soviel bedeutet wie „Lehrer, dessen Wissen so groß ist wie der Ozean“. Mit den mongolischen Kalmücken gelangte der tibetische Buddhismus schließlich sogar bis Europa, genauer gesagt in den russischen Teil, der europäisch ist.

Da sich die Mongolen hauptsächlich aus einer nomadischen Bevölkerung zusammensetzten, waren sie gezwungen all ihren Besitz ständig mit sich zu führen. In der Ausstellung ist daher auch ein typisches mongolisches Zelt zu sehen. Dies soll verdeutlichen, dass die Menschen in der Welt des tibetischen Buddhismus viel auf Pilgerreisen gehen beziehungsweise sind. Als Besucher der Ausstellung begibt man sich ja auch ein wenig auf Pilgerschaft, um Erfahrungen und Erkenntnisse aus einem so anderen Kulturkreis kennen zu lernen. Im letzten Teil dieser „Pilgerschaft“ hat man die Gelegenheit dem Leben eines tibetischen Mönches beziehungsweise einer tibetischen Nonne näher zu kommen. Der letzte Teil beschäftigt sich noch mal sehr stark mit der tibetischen Tradition des Lamaismus und zeigt auch wie typisch tibetische Vorstellungen in den Buddhismus eingingen. Dabei werden Elemente, die aus der früher praktizierenden Bon Religion übernommen wurden, wie auch Dämonen, die später zu buddhistischen Schutzgottheiten umgewandelt wurden, erwähnt. Gerade dieser letzte Teil bietet noch mal einen beonders spannenden Einblick und daher soll an dieser Stelle nicht allzu viel verraten werden. Eine Alternative zu einem verregneten Sonntag jedenfalls bietet die Ausstellung allemal.

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