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Iaido-News Buchkritik: Angry White Pyjamas

Ein seltsamer Titel, aber 'Book of the Year'.Zugegeben: Wer erst einmal nur den Titel von Robert Twiggers Buch liest, wird schnell stutzig. „Angry White Pyjamas“, wütende weiße Schlafanzüge also, das klingt nicht gerade nach ernsthafter Literatur. Wertvoller ist da schon der weitere Hinweis auf der Paperback-Edition vom Phoenix-Verlag: „Winner of the Somerset Maugham Award and The William Hill Sports Book of the Year“.Robert Twigger hat mit diesem Buch einen sehr persönlichen Erlebnisbericht seines Aufenthaltes in Japan verfaßt. Mehrere Jahre hat der in England geborene Schriftsteller dort zugebracht und so hat „Angry White Pyjamas“, geschrieben aus der Ich-Perspektive, autobiographischen Charakter. Eine alltägliche Situation bringt Twigger dazu, über sein Leben nachzudenken: Als er Zeuge einer Straßenschlägerei wird, stellt der schlaksige Poet fest, daß er weder die Fähigkeit zur Selbstverteidigung besitzt, noch in der Lage wäre, einem Opfer zu Hilfe zu kommen. Er beschließt, in einem berühmten Dojo in Tokio Aikido zu erlernen. Aus der anfänglichen Begeisterung heraus erwächst ein ehrgeiziger Wunsch: Den einjährigen Aikido-Kurs der „Tokio Riot Police“ zu absolvieren, das härteste Training, was überhaupt denkbar ist.

Wer jetzt an amerikanische Filme im Stil von „Karate Kid“ denkt, liegt falsch. Twigger erweist sich als sensibler Beobachter, der sowohl den Trainingsalltag, als auch die japanische Kultur sehr persönlich schildert. Aufgesetztes Pathos sucht man vergeblich: Der Aikidoka bewohnt mit einigen skurrilen Europäern eine verrückte Wohngemeinschaft in einem ärmlichen Stadtteil von Tokio. Glanz und Glamour gibt es in seinem Buch nicht, auch nicht das Klischee des charismatischen Sensei, der zu jedem Schüler eine persönliche Beziehung pflegt. Dafür beschreibt der Autor die Dojogemeinschaft, die an dem harten, körperlichen Training bis zum Zerreißen gespannt ist sehr genau: Gegenseitige Rücksichtnahme, zum Teil auch Rivalitäten, in jedem Fall aber ein Gefühl von Gemeinschaft prägen die Trainingseinheiten und den persönlichen Kontakt zwischen Anfängern und Danträgern, zwischen Japanern und Ausländern. Tragische Elemente wechseln sich mit kuriosen ab: So stirbt der kettenrauchende Dojoleiter jämmerlich an Lungenkrebs, Twigger beschreibt aber auch, wie er das „Opfer“ der Kuppelei einer japanischen Bekannten wird. Ausflüge mit den Trainingspartnern oder der gemeinsame Diskobesuch bringen dem Leser ein Japan näher, welches sich Touristen so ganz bestimmt nicht erschließt.

Das Training wird ungeschminkt und teilweise sogar grausam, immer aber intensiv geschildert. Läßt man den direkten Bezug zum Aikido weg, erkennt man auch als Iaidoka bekannte Elemente wieder. „Angry White Pyjamas“ ist ein Buch über Budo und ein Prinzip wird besonders deutlich, welches auch in Iaido-Dojos Gültigkeit besitzt: Wer sich ganz und gar diesem Weg verschreibt, der muß in Kauf nehmen, daß er nur mit harter Arbeit wirklich weiterkommt.

Eine deutsche Übersetzung liegt leider noch nicht vor, aber wer des Englischen einigermaßen mächtig ist, wird in diesem Buch eine anregende Lektüre finden, die immer wieder zum Nachdenken über den eigenen Weg im Budo anregt.

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