Iaido News

Iaido und Autorität

»Die Autorität des Lehrers schadet oft denen, die lernen wollen« (Marcus Tullius Cicero).

Dies ist ein persönlicher Versuch der Frage von Budo respektive Iaido und Autorität nachzugehen. Die Motivation einen solchen Artikel zu schreiben gab es bei mir schon lange. Den letztendlichen Ausschlag gaben einige Ereignisse im Dojo meines Lehrers, sowie zwei aussergewöhnliche Artikel (Kommentare), deren Weblinks ich gerne am Ende dieses Artikel beifügen möchte. In diesem Zusammenhang möchte ich auch meine Interpretation der Bedeutung der Dan-Graduierungen im Iaido zur Diskussion stellen.Iaido ist als eine Budo-Disziplin und durch die Existenz eines Dan-Graduierungs-Systems natürlich per se hierarchisch. Eine Hierarchie bezeichnet ein System von Elementen, die einander über- bzw. untergeordnet sind. Daraus leitet sich das Prinzip von Autorität ab, da eine Person aufgrund grösserer Kompetenz, Wissen und Entschlusskraft einer anderen gegenüber weisungsbefugt ist und die untergeordnete Person Denken und Handeln nach der Autorität hin ausrichtet oder ausrichten muss. Im Budo wird dieses Prinzip vor allem durch das Verhältnis von Lehrer zum Schüler beschrieben. Sensei (Lehrer) — Sempai (fortgeschrittener Schüler) — Kempai (absoluter Novize). Wie sieht es in der Praxis des Budo-Lehrbetrieb aus?

Japanische Kanji: SenseiAus meiner Erfahrung gibt es bei vielen Lehrer die Vorstellung, dass der Anfänger erst mal zeigen müsse, ob er die Mühe wert ist ihn auszubilden. Das hatte zur Folge, dass erst mal der Kreis der Fortgeschrittenen unterrichtet wurde und die Anfänger froh sein konnten, wenn sie Unterweisung bekamen. Von vielen Neuen wurde das meist klaglos hingenommen, vermutlich, weil viele Anfänger ohne Budo-Hintergrund zwangsläufig mit vielen (falschen) Vorstellungen im Hinblick auf vermeintliche Autoritäten eine Budodisziplin beginnen. Leider wird von Seiten der Lehrenden oft wenig getan, um diese falschen Vorstellungen zu korrigieren. Im Gegenteil oftmals werden diese »Lehrmethoden« sogar als angeblich echte japanische Ausbildungsweise verkauft. »Fragt nicht ständig, sondern macht lieber«, »Erst wenn ihr einen Kyu-Grad habt, werdet ihr als Iaidoka geboren« sind Sätze, die mir auch heute noch gut in Erinnerung sind. Tatsächlich war und bin ich immer wieder überrascht, was alles an Rechtfertigung auch von gebildeten Menschen vorgebracht werden, um einfach mal blind zu gehorchen. Aber muss und soll das wirklich so sein: Brauchen wir so etwas im Iaido wirklich?

Sollte nicht jeder eine Ausbildung entsprechend seines Leistungsstandes bekommen, unabhängig von seinem Stand in der Hierarchie? Sollte es nicht das Lehren an sich sein, das Freude macht und unseren Horizont erweitert? Ist das nicht schon Ansporn genug?

Eine andere (Fehl?)Entwicklung scheint die Entwicklung des Iaido hin zu einer reinen Kata- und Wettkampf-Disziplin zu sein. Immer häufiger bekomme ich zu hören: »Das ist halt gerade so, die Senseis aus Japan wollen es so, deshalb muss das halt so gemacht werden. Denkt euch nichts dabei«. Auch von Schüler-Seite sind leider zum Teil Vorstellungen vorhanden, wie man sich am besten regelkonform verhält, damit man auch sicher ohne eigenes Nachdenken die Prüfung besteht.

O.K. wer Iaido allein unter diesem Aspekt sieht, warum nicht. Andererseits muss jede Sportart, die auch einen über das sportliche hinausgehenden Anspruch hat, offen sein für neue Entwicklungen (in welch grösserem Mass also eine Budodisziplin?). Wie kann man sich überhaupt entwickeln, wenn man einfach nur nachmachen soll? Sollte nicht im Gegenteil die Förderung eigener, authentischer Trainingsmethoden und Trainingsinhalte ein fester Bestandteil der Ausbildung eines Iaidoka sein? Selbst oder gerade wenn es vom (momentanen) Regelwerk abweicht?

Wenn jede dieser Bestrebung mit dem Hinweis: »So könnt ihr aber keine Prüfung oder Wettkampf bestehen«, oder »Das steht so nicht in den Regeln« beantwortet wird, bedeutet das auf lange Sicht nicht Einseitigkeit und den Stillstand der individuellen als auch der gesamten Iaido-Entwicklung?

Was sind also die Konsequenzen, um die Auswirkungen von falsch verstandener Autorität zu begrenzen und gleichzeitig das Iai als eine freie, authentische Budo-Disziplin und nicht als pures »Regelwerk« zu erhalten oder gar auszubauen?

Meiner Vorstellung nach sollte in das bestehende System der Dan-Graduierung als ein wesentliches Element die Entwicklung von individuellen und authentischen Trainingsmethoden aufgenommen werden mit dem ausdrücklichen Ziel, die »Freiheit der Lehre« zu befördern und auszubauen.

In den Dan-Graduierungen liegt eine offensichtliche doppelte dreier Gliederung vor:

erste dreier Gliederung 1—3, Lehre der Grundlagen der Technik

zweite dreier Gliederung 4—6, Verinnerlichung und Demonstration des Verständnis der Technik

dritte dreier Gliederung 7—9, Förderung bzw. Schaffung der Strukturen zur Entwicklung des Iaido, sowie Auswahl, Schaffung und Mordernisierung des aktuellen Kanon der Lehre

Innerhalb dieser drei grossen Bereiche haben die jeweiligen Dan-Grade die Funktion den Stand der Entwicklung zu belegen:

Vorhanden sein

Fortgeschritten und

Abschluss des Lerninhaltes.

Im Falle von Komplex 1 wuerde ein Iaidoka fuer eine Graduierung zum ersten Dan zeigen müssen, dass er die Grundlagen jeder einzelnen Grund-Technik beherrscht, wie zum Beispiel die Schnittechniken und Bewegungsabläufe der Setei Iai, sowie auch beginnende Koordination von Körper und Schwertbewegungen. Für die Graduierung zum zweiten Dan sollte gezeigt werden, dass die Einzel-Techniken in grösserer Dynamik ausgeführt werden können und im Falle der dritten Dan Prüfung, dass die Kenntnis von und die Erlernung der Basistechniken abgeschlossen ist. Am Ende des ersten Komplexes sollte der Iaidoka also zeigen können, dass er das Standard-Iai, so wie er es von seinem Lehrer, auf Lehrgängen (ob national oder international) reproduzieren und erklären kann.

Im zweiten Komplex sollte es bei der Ausbildung des Iaidoka mit dem von ihm erlernten Grundwissen darum, gehen die Lehrinhalte so weit zu verinnerlichen, dass er sie nicht nur vorführen, sondern auch lehren kann. Meiner Meinung nach sollte im Zuge dieser Entwicklung klar werden was der eigene Beitrag zur generellen Entwicklung des Iaido ist. Natürlich bleibt es jedem frei gestellt, ob er sich selbst als Lehrer berufen fühlt oder nicht, und daher ein Dojo bzw. Gruppe aufbaut oder eben nicht. In jedem Fall sollte ab dieser Graduierung die gelernten Methoden und Techniken kritisch hinterfragt werden und gegebenenfalls angepasst oder ergänzt werden. Dieser Prozess von einer unreflektiert übernommenen hin zu einer eigentständigen, authentisch originären Verstehen der Lehre muss dann in genau der gleichen dreigliedrigen Weise demonstriert werden. Am Ende dieser Ausbildungsspanne, die ja aufgrund der heutigen Regelung deutlich längere Entwicklungszeiten hat, soll der komplette Iaidoka stehen, der nicht nur eine Technik vorführen, sondern auch die Bedeutung aller Aspekte und Standpunkte (Sichtweisen) des Iai vermitteln kann, der die Lehre nachvollzogen, bewertet, mitgestaltet und weiterentwickelt hat.

Im dritten Komplex steht für mich dann als zentrale Aufgabe (Kriterium) die Förderung und Schaffung von Strukturen bzw. Rahmenbedingungen, welche die Berförderung des Iaido als Prinzip (ähnlich der Wissenschaft und Kultur) erlauben. Dieser Komplex beinhaltet mehr als die anderen auch eine politische oder gesellschaftliche Komponente, da ein Kriterium sein sollte inwiefern es gelingt das Iai als ein wichtiges kulturelles und zivilisatorisches Element, nachdem es in einem selbst verankert ist, auch in der Gesellschaft zu verankern. Als zweiten wichtigen Punkt sehe ich die “Freiheit der Lehre” zu fördern und zu gewährleisten, dass die nächste Generation von Lehrern die Chance hat, die Prinzipien der Lehre zu verinnerlichen und ihr eigenes Potential auszuschöpfen und einzubringen.

Ein weiterer Aspekt sollte die Mitbestimmung und Auswahl des Lehrprogrammes sein, das die Basis für die Iaido-Grundausbildung darstellt.

All diese Punkte sind natürlich allein national gesehen unmöglich umzusetzen, da sich das Iai natürlich nicht in einem Vakuum befindet. Diese Punkte können sich nur europäisch beziehungsweise international umsetzen lassen und so ist eine dementsprechende Vernetzung notwendig.

Meiner Meinung nach kann nur ein Graduierungsystem, dass sich der systematische Erforschung des Iaido und damit natürlich auch aller Sichtweisen sowohl technischer als auch philosophischer Natur widmet eine authentische Autorität garantieren, die nicht auf Personenkult, Herschafftswissen und ständiger Reglementierung beruht, sondern an Prinzipien gebunden ist, die jedem Iaidoka erlaubt die Autorität in sich selbst zu finden. Eine solche Vorstellung von Autorität empfinde ich universeller und damit auch übertragbarer auf andere Lebensbereiche, denn meiner Meinung nach sollte eine Autorität nicht als eine unfrei, sondern im Gegenteil als eine frei machenden Kraft erfahren werden.

Weblinks:

www.individual-combat-system.de/?p=162

bambusregen.blogspot.com/2008/07/zwischen-anspruch-und-wirklichkeit.html

Kommentare

  • ok

    Hallo mb,

    fühlst du dich graduierter, weil du eine Dan Prüfung absolviert hast?

    Bist du als Iai vorwärts gekommen oder hast dich entwickelt, weil du Dan-Prüfungen absoviert hast?

    Ein guter Iai-Schüler muss einen besseren Iai-Lehrer haben, so empfinde ich das essentielle in Iai.

    Respekt durch Hierarchie ist eine Sache, die dich "trimmen" kann, wirklich werden kannst du nur durch den natürlichen Respekt bzw. Akzeptanz, den du deinem Lehrer entgegenbringst.

    Und genau dieses Gefühl kommt aus dir ohne Beeinflussung durch Hierarchien.

    Dan -Prüfungen braucht man als Referenzpunkt, ganz einfach um mit"bellen" zu können.

    So meine Einschätzung.

    LG
    OK
  • T.

    Nach meinen diesjährigen Erfahrungen bei den Prüfungen - und dem Drumherum – beim Jahreshauptlehrgang des DIaiB in Steinbach bin ich entsetzt.
    Mir drängte sich stark der Eindruck auf, dass die höheren Dan-Grade nicht für die gezeigte Leistung vergeben wurden. Eher scheint sich hier eine Verbandsinterne Belobigung abgespielt zu haben.
    Die Filme der Prüfung sind bald in youtube zu sehen, mag sich jeder selbst sein Urteil bilden. Aber nach dieser traurigen Darbietung frage ich mich wohin der Weg geht!
    Im Gespräch haben mir nach den Prüfungen einige der deutschen Übungsleiter und Prüfer gesagt, dass sie auch nicht verstehen, warum einige Prüflinge den 5. Dan verliehen bekommen haben.
    Ich befürchte das Schlimmste

    T.
  • Markus Ball

    Liebe Kommentatoren,
    sorry für die etwas verspätete Antwort, aber ich habe im Moment nur auf der Arbeit einen Netzzugang. Um auf die Frage von "ok" zu antworten, natürlich macht die Prüfung nicht das Können aus. Das ist wohl der Unterschied, ob man einen Dan hat oder einer ist. Man kann natürlich auch von jeglichem Prüfungssystem absehen, aber im Idealfall soll so ein Sytem ja nur den Grad an Entwicklung widerspiegeln, den ein Iaidoka hat. Hierbei ist die Beziehung zum Lehrer als eine frei machende Autorität, die einen dazu bringt sich dem eigenverantwortlichen Lernen zu öffnen, essentiell für die Entwicklung. Der entscheidende Punkt ist meiner Meinung nach die Freiheit bzw. Freiwilligkeit des Lernens. Das ist auch genau das, was ich von meinem Lehrer vermittelt bekommen habe, dass meine eigenen Ideen und Sichtweisen nicht nur geduldet, sondern erwünscht und im Gegenteil notwendig sind. "Ich will, dass ihr euren Kopf ein, nicht ausschaltet", ist hierbei sein Leitmotiv.

    Oftmals gibt es halt nur das Gegenteil, die Methode Zwang mit einem Schuss: Friss oder Stirb. Und das lehne ich ab.

    Ich will also nicht den Lehrer generell in Frage stellen, sondern nur die Auswüchse von falsch verstandenem Lehrertum und Autorität. Ich hoffe das kam in dem Artikel rüber.

    Was den Kommentar von "T." angeht. Zu diesen Prüfungen kann ich nichts sagen, da ich an diesem Lehrgang nicht teilgenommen habe. Dass die Prüfungen aber bald in Youtube zu sehen sind, finde ich positiv. Das sorgt sicher für mehr Transparenz.

    Persönlich fände ich es gut, wenn von Seite der Verbände eventuell besonders gute Vorführungen ins Netz gestellt würden. Nicht um das dann einfach zu kopieren, sondern um ein Beispiel zu geben, was die Kriterien oder Gesichtspunkte für einen bestimmten Entwicklungsstand sein sollten. Das positive Beispiel könnte so inspierieren. Das soll und kann kein regelmässige Training ersetzen, aber eventuell das Medium Internet optimal einsetzen, um Vergleichbarkeit und Transparenz zu befördern. Iai ist ja keine Geheimwissenschaft, sondern eine lebendige Kunst, also warum nicht die modernen Möglichkeiten nutzen.

    Markus Ball
  • Peter Röder

    Hallo!
    Ich kann zu den Prüfungen auf dem JHL etwas sagen, da ich einer der Prüflinge war.
    T. was hat denn Deiner Meinung nach nicht gereicht zum Bestehen einer Godan-Prüfung?
    Ich habe mir das Video von den 5.Dan-Prüfungen mehrfach angesehen...

    Ich würde mich freuen, wenn wir uns darüber austauschen könnten.

    Viele Grüße
    Peter Röder
  • T.

    Peter, Deine Leistung ist unbestritten. Du hast Deinen Godan verdient.
    Was u.a. meiner Meinung zweifelhaft ist sind die Leistungen und deren Anerkennung dieser beiden Prüflinge:

    http://www.youtube.com/v/Ek...

    Hier hat es den Anschein, als wären Verbandsfunktionäre belohnt worden.

    T.
  • Hajo Neumann

    Hallo zusammen,

    auffällig sind auf jeden Fall sehr kleine Schritte, wenig gestrecke Arme beim Schnitt und ein oftmals fehlendes Teno-Uchi. Aber vielleicht gelten für Godan auch völlig andere Kriterien... Danke auf jeden Fall für den Link!
    Have a nice day

    Hajo
  • Peter

    Hallöchen Ihr!
    Also... Leistungen hin oder her, die möchte ich hier gar nicht diskutieren!
    Was den Anschein einer Funktionärs-Belohnung angeht:
    7 Personen haben diese Prüfung abgenommen:
    Soejima Manabu: Japan - Belohnung "möglich"
    S. Ordynsky: Deutschland - Belohnung "möglich"
    J. Hopson: UK - dem ist das sch...egal
    V.Cook: UK - dem ist das sch...egal
    L.Bean: UK - - dem ist das sch...egal
    R.v.Amersfoort: - dem ist das sch...egal
    P.Demynck: Belgien - dem ist das sch...egal

    Den "Ausländern" geht doch so eine Belohnung am Hintern vorbei. Mindestens drei der Prüfer kennen die dt. Prüflinge gar nicht weiter!
    Ich würde nicht die Leistung der Prüflinge kritisieren, die bestanden haben, sondern nach den Begründungen suchen, warum die Anderen nicht bestanden haben!

    Hallo Hajo. Ich strecke meine Arme nie! ;-) Zumindest versuche ich, es nie zu tun.
    Im Endpunkt des Schnittes soll das Schwert auf Obihöhe sein, ca. 1,5 Faustbreit vor dem Körper, dann können die Arme nicht gestreckt sein.

    LG
    Peter
  • Hajo Neumann

    Hallo Peter,

    ich meinte auch nicht am Ende des Schnittes, sondern eher beim Ausholen, da habe ich mich wohl mißverständlich ausgedrückt. Zumindest ist mir das so beigebracht worden. Sind denn diese kleinen Schritte in den Stehkatas normal? Und wird das Teno-Uchi inzwischen nicht mehr so streng bewertet? Der dunkel gekleidete Prüfling läßt das Schwert beim Abwärtsschnitt von Shohatto jedenfalls ganz schön "durchsacken". Aber wie gesagt: Ich habe keine Ahnung, was da inzwischen gefordert wird...
    Have a nice day

    Hajo
  • dp

    Hallo Zusammen,
    ihr regt Euch über Prüfungen anderer auf...ist das der Geist Eures Iaido...betreibt Ihr Iaido um andere zu Kritisieren, wer einen zu kurzen Schritt gemacht hat oder wer welche Auszeichnung verdient hat??? Wer Iaido praktiziert, gleich welcher Schule oder welches Verbandes, sollte dies im geiste des Zen tun...somit gibt es auf die Frage wofür praktizieren wir Iaido nur eine richtige Antwort...FÜR NICHTS...also schon gar nicht um andere zu kritisieren. Auch sollte von vielen ZNKR Schülern sich einmal vor Augen gehalten werden dass Iaido-Schulen oder Dojo´s welche nicht dem Verband angehören ebenso die Berechtigung haben Iaido zu üben...es gilt toleranz und akzeptanz anderergegenüber walten zu lassen. Also..."Kümmere Dich um Deinen Garten, nicht um das Laub des Nachbarn"(Soke Takeyuki)
  • Hajo Neumann

    Hallo zusammen,

    ich denke nicht, daß es hier um das "Laub des Nachbarn" geht, sondern um die Frage, welche Kriterien man als Maßstab für das eigene Üben anlegt. Tut man dies in einer größeren Gemeinschaft, so sind diese Kriterien immer auch in Beziehung mit anderen Iidoka zu sehen. Davon abgesehen: Ich habe schon Meister bei Lehrgängen fremder Verbände am Hallenrand sitzen sehen, die einen Heidenspaß mit ausgedehnten Lästereien hatten. Dieselben Meister neigen gelegentlich dazu, in Internet-Foren, mit dem Zen als Todschlagsargument bewaffnet anderen dieses Recht abzusprechen. Ohne den eigenen Namen preiszugeben. Just my two cent...
    Have a nice day

    Hajo Neumann
  • dp

    Hallo,

    zur Aussage von Hajo kann ich sagen, dass es aus der Sicht gesehen wenn in grosser Gemeinschaft geübt wird, man sicherlich das eigene "Können" mit dem der anderen vergleicht. Ich vertrete jedoch die Ansicht, wenn ich mir anmasse Kritik zu üben, so sollte ich es direkt bei den Betroffenen tun und nicht im nachhinein verbreiten. Bleibe jedoch der Aussage meines Meisters treu bezüglich dem Laub des Nachbarn. Die Meister, welche Hajo ansprach, habe ich selbst in Japan erlebt, die selbst über andere Schüler und Meister ablästern, ich heisse dies alles andere als gut, ebenso finde ich es ein Armutszeugnis wenn ein Schüler, gleich welcher Graduierung etwas vorführt und diejenigen die es bewerten sollten, anstatt zuzusehen sich über Gott und die Welt unterhalten, anstatt dem Vorführenden den respekt der Achtsamkeit entgegen zubringen. Aber gut dass wir ja das Recht auf freie Meinungsäusserung in Europa haben ;-)...
    D.Perez
  • Markus Ball

    Hallo zusammen,
    meine Güte, also ich bin in der Tat erstaunt, wie viele Reaktione der Artikel nach sich zieht. Das hätte ich ehrlich gesagt beim Schreiben des Artikels so nicht erwartet.

    Was das youtube-video angeht, so habe ich es mir mehrmals angesehen und mir lange überlegt wie ich da am besten darauf antworte, Vielleicht am besten das Video für sich selber sprechen lassen, damit sich jeder seine Meinung dazu selber bilden kann ? In der Tat geht es ja nicht um die zwei Personen an sich, die ich auch nicht persönlicht kenne. Ich kann und möchte mich auch nicht an Spekulationen beteiligen, ob da irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.

    Auf der anderen Seite muss und möchte ich auf Grundlage meines Artikels gerne über das sprechen was das Dan-Graduierungssystem denn nun sein soll.

    Ohne den beiden (neuen) fünften Danen zu nahe treten zu wollen, sehe ich persönlich die von mir in meinem Artikel beschriebenen “Vorstellungen” nicht verwirklicht. Aber o.K. um solch eine Diskussion zu entfachen habe ich meine Ansichten ja genau einmal ausformuliert.

    Was ich einfach einmal sehr wichtig fände endlich mal zu diskutieren, was denn einen fünften Dan ausmacht, anstatt was ihn nicht ausmacht ? Das habe ich bisher aus den meisten Antworten nicht raushören können!

    hasta luego

    Markus Ball
  • Peter

    Ich versuchs mal ein wenig zu umreißen, was man für einen 4./5. Dan "braucht"... ist wirklich nur recht oberflächlich!

    4.Dan: Ruhe!! Im Körper, wie im Geist. Ein definiertes Zentrum und natürlich eine "korrekte" Technik. "Don´t be busy busy!"

    5.Dan: Gleiche wie 4.Dan kombiniert mit einer definierten Prise Seme und Kampfgeist! Die Engländer sagen immer: You have to fight!!!!

    Und fast alle Punkte sind der Knackpunkt im Video oder wenn man die Vorführung "nur" von der Seite sieht - diese Punkte erkennt man nur gut von vorne!!!!

    So ungefähr... ist wirklich nur ein stümperhafter Versuch ;o)

    VG
    Peter
  • Tommy

    Peter,
    Bisher hatte ich eine solche Beschreibung der Dan-Kriterien noch nicht gesehen.
    Kannstd Du die vielleicht auch für die Dan Grade von 1 bis 3 liefern. Würde sicher hilfreich sein.

    Tommy
  • Markus Ball

    Hallo Peter,
    nur für mich zum besseren Verständnis. Mit der Ruhe von Geist und Körper ist das gemeint, was man unter dem Begriff Zanshin versteht ? Was wären für dich denn Punkte woran man die Entwicklung von Zanshin bei einem Iaidoka festmachen kann ?
    Gleiche Frage für die Entwicklung von Seme und warum denkst du, dass man diese Dinge nur gut von vorne sehen kann ?

    viele grüsse

    Markus
  • Peter

    Hallo Ihr.
    Die Kriterien, die ich beschrieben habe, wurde mir persönlich mitgeteilt. Sicherlich haben sie auch allgemeine Gültigkeit, aber ich möchte mich jetzt nicht hinstellen und "Richtlinien" herausgeben...
    Eigentlich ist es wie immer... Fahrt zu Lehrgängen und nervt ÜL, Prüfer und Lehrer, damit sie für Euch passende Kriterien rausgeben...

    @Markus
    Mit der Ruhe ist nicht nur die gemeint während der (bekannten) Zanshin-Phase, sondern während der gesammten Vorführung!
    Woran ich persönlich das festmache... Kann ich nicht beschreiben. Wenn ich einen Übenden vor mir sehen, dann sehe ich es, oder nicht ;-)
    Seme... das Gleiche

    Von vorne... Weil dahin der Fokus des Übenden geht. Ausrichtung, Metsuke, Bewegung usw.
  • Michael Moritz

    Hallo T.,

    was für eine angenehme Überraschung, meine Prüfung auf einmal bei Youtube zu finden. Ich selber hätte ja nie die Anmaßung besessen, die Weltöffentlichkeit mit meiner dürftigen Darbietung zu langweilen. Ach ja, ich bin der Prüfling in Weiß.

    Leider steht immer noch Deine Antwort auf die Frage von Peter Röder aus: Was hat Deiner Meinung nach nicht gereicht zum Bestehen der Godan-Prüfung? Dein zu Kreuze kriechen vor Peter Röder und das Einstellen meines Prüfungsvideos bei Youtube sind keine wirklich Antwort auf seine Frage.

    Sicherlich habe ich viel Feedback zu meiner Prüfung bekommen, von Leuten, die für mich und für mein Iaido wirklich wichtig sind. Aber der Vollständigkeit halber würde mich Deine ehrliche Meinung schon interessieren.

    Dabei solltest Du Dich aber nicht anonym hinter einem Kürzel und einem Nickname wie in Youtube verstecken. Gib Dir einen Namen und ein Gesicht, wie es sich für einen aufrichtigen Budoka, der es ehrlich meint, gehört. Gib Dir einen Namen und ein Gesicht, damit ich Dich als Mensch achten und Deine konstruktive Kritik mit Respekt annehmen kann.

    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Moritz
  • D.Perez

    Hallo Moritz,

    ich selbst habe Deine Prüfung online mehrfach angesehen. Ich persönlich hätte aufgrund des Videomaterials die Prüfung bestehen lassen, deine Geisteshaltung kann man in einem Video nicht beurteilen, ich habe schon viel schlechtere Prüflinge gesehen. Ich möchte Dior auch im Nachhinein zur Prüfung gratulieren. Wenn ich Deine vorhergehende Nachricht lese, sehe ich dass DU das Iaido und dessen Geist verstanden hast.
    Ich würde mich freuen wenn Du mit mir einmal in Kontakt treten würdest.
    Hochachtungsvoll
    Dave Pérez
  • Zaungast

    Ich bin nur ein Zaungast, bin erstaunt über diese Debatte. Nur Worte um was?
    Um ein Ergebnis das lange zurück liegt? „Ein Eimer Wasser der ausgeschüttet, kann nicht zurück!
    Graduierungen sind für mein Wissen nur dazu da, um zu zeigen wie lange ich schon dieser oder jener Organisation angehöre und ob ich den Mitgliedern dieser noch gefalle. Mit eigener Entwicklung hat das nichts zu schaffen. Da muss schon was tieferes greifen.
  • Dave Perez

    Lieber "Zaungast",

    wir reden hier unverblümt über die ein oder ander Thematik. Wenn Du wiedereinmal das Bedürfniss siehst eine Bemerkung loszuwerden ist dies natürlich sehr erfreulich, jedoch anstandshalber kann man seinen Namen nennen.

    Dave Perez
  • Dave Perez

    Hallo,
    hat jemand das Video der Prüfung oder die vorab dieskutierte Prüfung als Datei?

    Würde mich sehr darüber freuen diese Datei zu erhalten.

    Grüsse
    Dave Perez
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