Iaido News

Wie lang wird Dein Schwert?

Samurai haben sogar 2 Schwertlängen zu bestimmen.Kennt Ihr die Geschichte, wo der bekannte Widersacher von Musashi sein Schwert, wegen der enormen Länge liebevoll „Trockenstange“ genannt, bei einem Schwertschmied kürzen lässt? Gut gemacht, würde Musashi sagen, eine extreme Schwertlänge macht den Kämpfer nicht besser. Er bezeichnete sogar die Kampfschulen, die unbedingt ein längeres Schwert empfahlen, als Schwertkunst der Schwächlinge. Die Auffassung, aus der Distanz zu siegen, offenbarte für ihn nur Schwäche des Kampfgeistes, im Grunde ein Missverständnis des wahren Schwertweges.Jeder wird irgendwann vor der schwierigen Frage stehen: ist das oder eher dieses meine passende Schwertlänge? Nicht unerheblich zu beantworten, denn schließlich kann man nicht mal schnell umtauschen. Zudem hat die Schwertlänge länger Einfluß auf das eigene Üben.

Eine zu lange, schwere Klinge erzeugt Frust, unkontrolliertes Hauen, einarmiges Reißen und bald Verletzungen wie: Tennisarm (als „Dodanuki“-Schwertveteran, diesem Schwert mit Übergewicht, weiß ich, wovon ich rede) Sehnenscheidenentzündung oder Knieprobleme. Eine zu kleine Klinge ist keine Herausforderung beim Üben, hat keinen Sound beim entschlossenen Schnitt, hält keine Ruhe beim Noto. Das Handling ist lächerlich, es ist das Führen eines Iaitos wie eingelaufen nach zu heißem Waschen.

Gehen wir bei der Auswahl der Schwertlänge erstmal von den Standartregeln aus, um nichts falsch zu machen.

Eigentlich entspricht die richtige Schwertlänge Deiner Schrittbreite. Weil diese recht variabel ist, kann man auch anders vorgehen. Ein konkreter Weg, um die passende Länge eines Schwertes zu bestimmen ist es, dieses seitlich locker am Griff bei gestrecktem Arm zu halten. Wenn die Spitze gerade über dem Fußboden ist, man kann es ohne Berührung hin- und herschwingen, dann ist die Klinge ungefähr so lang, wie Du es eigentlich brauchst. Das ist eine allgemeine Faustregel, während es einige Schulen bevorzugen, das Schwert länger (oder kürzer) auszuwählen. Individuelle Vorlieben variieren wieder mal. Es gibt ein altes japanisches Sprichwort: „mal so, mal so“.

Auf der Suche nach einem Schwert hört man sogleich von Shaku. Ein japanisches Shaku beträgt etwa 0,9 Fuß oder 30,4 Zentimeter. Standartmaße für (uns große Europäer) sind 2,45 und 2,5 Shaku-Schwerter. Die noch etwas feinere Einteilung durch Sun (die zweite Stelle hinter dem Komma) ist sinnvoll: Ein paar Zentimeter verändern viel beim Schwerthandling! Diesen kleinen/großen Unterschied kann man als Anfänger kaum – als Fortgeschrittener schon recht deutlich - wahrnehmen. Anfänger tendieren eher zum kurzen Schwert, weil deren Noto leichter flutscht (Fortgeschrittene wollen etwas „Vernünftiges“ und überschätzen sich mit übermäßiger Länge).

Besser probieren

Am besten probiert man mit verschiedenen Schwertern und –längen, bevor man sich zum Kauf entschließt. Im Verein oder auf einem großen DIV-Lehrgang bietet sich bestimmt die Möglichkeit, viele Längen auszuprobieren. Jeder kennt die Schwierigkeit der Wahl und leiht Dir vielleicht sein Iaito für eine Probe. Prüfe ein paar Deiner Lieblingskatas. Mache durch die Halle eine lockere Strecke mit Schnitten! Bei allem können Dein Lehrer oder Trainingskameraden zusehen und Ratschlag geben, ob die ausgewählte Länge gut zu Deinen Bewegungen passt.

Personengröße und Schwertlänge
KörpergrösseShakuLänge in cm
155 - 160 cm2,30 Shaku69,7 cm
160 - 165 cm2,35 Shaku71,2 cm
165 - 170 cm2,40 Shaku72,7 cm
170 - 175 cm2,45 Shaku74,2 cm
175 - 180 cm2,50 Shaku75,8 cm
180 - 185 cm2,55 Shaku77,3 cm
185 - 190 cm2,60 Shaku78,8 cm
190 - 200 cm2,75 Shaku83,3 cm

Tabelle mit freundlicher Genehmigung von www.iaido-nord.de

Meistens ist es so, daß man als normalgroßer Europäer die oben aufgeführten Standartlängen ohne Bedenken wählen kann. Für Ausnahmewuchs und für erste Anhaltswerte möchte ich die obige Tabelle veröffentlichen. Werfen wir einen Blick zurück in die Geschichte der richtigen Schwertlänge, wird allerdings die Bedeutungslosigkeit aller Regeln im Kampfe bestätigt: Musashi besiegte in einem berühmt gewordenen letzten Duell seinen Widersacher mit einem einfachen Holzbokken, welches er sich mal eben so geschnitzt hatte. Wo wir bei der Frage des Equipments wären. Dazu aber später.

Erschienen in Iaido-News 01/98

Kommentare

Keine Kommentare
Anzeige
Anzeige